{"id":1043,"date":"2014-09-24T16:27:40","date_gmt":"2014-09-24T14:27:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=1043"},"modified":"2014-09-25T16:35:22","modified_gmt":"2014-09-25T14:35:22","slug":"riders-on-the-storm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=1043","title":{"rendered":"Riders on the Storm"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Wenn man um 19:30Uhr nicht wie geplant zum Vereinstreffen f\u00e4hrt, sondern zum N\u00fcchternlauf aufbricht, ist zwar in der Tagesplanung einiges schief gelaufen, aber das hei\u00dft ja nicht, dass der Tag per se schei\u00dfe war.&#8220;<\/strong><br \/>\nHmm, nee. Nicht griffig genug!<br \/>\nEin paar Regentropfen trafen mich ins Gesicht.<br \/>\n<strong>&#8222;2 Stunden l\u00e4nger als geplant auf Arbeit, nicht zum Spinning gekommen, Vereinstreff vers\u00e4umt und stattdessen 10km durch den Regen gejoggt, wie nennt man das? &#8211; Happy End!&#8220;<\/strong><br \/>\nHmmm. Schon besser.<br \/>\nEin paar Mal lie\u00df ich das durch meine Hinrwindungen wandern, verwarf es aber ebenfalls.<br \/>\nMeine Garmin vibrierte am Handgelenk. Kilometer 7, Puls 145, Pace 5:00 glatt.<br \/>\nDas l\u00e4uft ja schon wieder ganz gut, vor allem mit der beruhigenden Gewissheit, dass ich auch schon wieder im niedrigen 4er-Schnitt auf 21km unterwegs sein <em>k\u00f6nnte<\/em>, wenn ich denn <em>wollte<\/em>.<br \/>\nHeute will ich aber nicht!<br \/>\nHeute will ich genie\u00dfen &#8211; und nebenbei etwas f\u00fcr meinen Fettstoffwechsel tun.<br \/>\nDer Regen nahm zu, als ich meine 1,5km-Runde am Rhein abermals neu begann.<br \/>\nHier sind nichtmal mehr Menschen mit Hund unterwegs.<br \/>\nNur ich. Ich alleine.<br \/>\n<strong>&#8222;Training ist das was du machst, w\u00e4hrend deine Gegner schlafen!&#8220;<\/strong><br \/>\nSchon besser &#8211; wer hat das noch gleich gesagt?<br \/>\nPrefontaine?<br \/>\nIch kam nicht drauf.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWenn ich schon einen Trainer h\u00e4tte, k\u00f6nnte er heute sicherlich stolz auf mich sein! Dem Wetter zum trotz das Trainingsziel (90min GA1) eiskalt angegangen und auf dem besten Wege es durchzuziehen.<br \/>\nNoch bin ich aber mein eigener Trainer.<br \/>\n<strong>&#8222;Der Vorteil, wenn man sich selbst trainiert: Der Trainer verlangt nichts, was er nicht selbst machen w\u00fcrde. Der Nachteil ist, dass man niemanden verfluchen kann, w\u00e4hrend man es macht!&#8220;<\/strong><br \/>\nDas hat was.<br \/>\nAbermals bog ich wieder auf meine Runde ein.<br \/>\nDas muss ich mir jetzt nur irgendwie behalten, bis ich zu Hause angekommen bin.<br \/>\nKilometer 9, Puls 147, Pace 4:55.<br \/>\nDer Regen nahm immer weiter zu. Aber er war nicht kalt. Noch nicht.<br \/>\n<strong>&#8222;Es wird Herbst, der Regen wird k\u00e4lter!&#8220;<\/strong>, ratterte mein Hirnticker die n\u00e4chste Schlagzeile raus.<br \/>\nJoaa, aber das mit dem Trainer war besser.<br \/>\nSchr\u00e4g \u00fcber mir leuchteten die Fahrzeugscheinwerfer auf der A59.<br \/>\nKilometer 10, Puls 143, Pace 5:00<br \/>\nGanz unerwartet schwoll der Regen von &#8222;leichter Herbstschauer&#8220; zu &#8222;Alles zur Arche, es geht los!&#8220; an. F\u00fcr einen Moment war ich versucht umzukehren. Aber es sind ohnehin 4km bis zu meiner Haust\u00fcre&#8230; ich w\u00fcrde so oder so klatschnass zu Hause eintrudeln.<br \/>\nAlso kann ich auch noch eine oder zwei&#8230; drei&#8230; R\u00fcndchen laufen.<br \/>\nNach wenigen Metern klebte mir die Laufjacke am R\u00fccken, das Wasser lief mir \u00fcber die Stirn ins Gesicht, der Wind war ertr\u00e4glich und sogar fast angenehm warm.<br \/>\nIch grinste \u00fcber beide Ohren: Noch eine Runde!<br \/>\nT\u00e4nzelnd umging ich die gr\u00f6\u00dfer und tiefer werdenden Pf\u00fctzen auf dem Weg.<br \/>\nDer Regen hatte erheblich nachgelassen, nur der leichte Gegenwind blieb.<br \/>\nSo k\u00f6nnte es von mir aus eeewig weitergehen!<br \/>\nKilometer 11, Puls 150, Pace 4:50<br \/>\nUnglaublich wieviel Kraft der K\u00f6rper aus einer handvoll Pistazien und Wasser sch\u00f6pfen kann &#8211; wenn man ihn denn darauf trainiert.<br \/>\nDieses Low-Carb \/ High-Fat &#8230; zuerst war ich ja skeptisch statt Nudeln ohne Sauce von nun an Sauce ohne Nudeln zu essen. Aber hey: Man lernt nie aus und schlie\u00dflich&#8230;<br \/>\nEs knacktre und brummte kurz in meinen Ohrh\u00f6hrern. Der Weg vor mir lag f\u00fcr den scheinbar ewigen Bruchteil einer Sekunde grell erleuchtet vor mir. Direkt \u00fcber dem Rheinbogen zog sich eine strahlend wei\u00dfe, leicht gezackte Lichts\u00e4ule aus dem Himmel bis zur Erde.<br \/>\nInstinktiv begann ich zu z\u00e4hlen: Ein-und-zwan-zig-zwei-und-zwa&#8230;<br \/>\nEs schepperte derart laut, dass ich unwillk\u00fcrlich den Kopf einzog und zu straucheln begann.<br \/>\nKeine 600m vor mir war ein Blitz eingeschlagen!<br \/>\nAuf dem Absatz machte ich kehrt und rannte als sei der Leibhaftige hinter mir her.<br \/>\nOk, kurz nachdenken. Hier unten kam der Wind leicht aus Nord, weiter oben kann das nat\u00fcrlich durchaus anders aussehen, ich laufe mit Hackengas nach S\u00fcd, tendenziell kommt das Gewitter also auf mich zu.<br \/>\nDer Regen wurde weiter schw\u00e4cher.<br \/>\nEin gutes Zeichen!<br \/>\nArme mitnehmen, K\u00f6rper aufrecht und Kniehub.<br \/>\nMeine Uhr piepste und vibrierte. Willkommen im 4:00er-Schnitt.<br \/>\nIch bog ab zur Pontonbr\u00fccke \u00fcber die Wupper, Kurs Ost.<br \/>\nDer Regen holte mich wieder ein.<br \/>\nAuf der Br\u00fccke stand das Wasser teilweise mehr als kn\u00f6chelhoch, unter meinen schnellen schritten spritze es mir bis an die H\u00fcften.<br \/>\nIch unterquerte die A59, f\u00fcr einen Moment wollte ich stehenbleiben und abwarten, aber hier unter der Br\u00fccke pl\u00e4sterte ein eiskalter Wind.<br \/>\nWeiter!<br \/>\nVielleicht war es auch nur ein einzelner&#8230; genau als ich unter den Hochspannungsmasten her lief, leuchtete und schepperte es abermals, diesmal offenbar schr\u00e4g hinter mir.<br \/>\nEs war nur ein Augenblick hell, aber dennoch nahm ich die dampfenden Stromleitungen \u00fcber mir bis ins Detail war.<br \/>\nIch zog das Tempo weiter an und lief in den Hohlweg neben der A59 ein.<br \/>\nMeine Uhr vibrierte, piepste und leuchtete auf: Willkommen im 3:30er Schnitt!<br \/>\nAusgangs des Hohlweges sind es noch genau 2000m bis zu meiner Haust\u00fcre.<br \/>\nEtwas \u00fcber 7 Minuten die Z\u00e4hne zusammenbei\u00dfen und alles wird gut.<br \/>\nAls ich wieder freien Himmel \u00fcber mir hatte, hatte der Regen aufgeh\u00f6rt und der Wind kam nun merklich aus Nord-West.<br \/>\nDas Gewitter w\u00fcrde also hinter mir in Richtung Osten abziehen.<br \/>\nIch nahm Tempo raus, in der feuchten Luft dampften meine Beine unter mir&#8230;<br \/>\nDer Puls beruhigte sich \u00fcberraschend schnell und ich trabte fast laut lachend in Richtung Rheinbr\u00fccke A1.<br \/>\nIrgendwer kippte mir Wasser auf den R\u00fccken.<br \/>\nGerade als ich mich umdrehen wollte, knirschte es wieder in meinen Ohrh\u00f6rern und es schepperte laut hinter den Bergen der Bayerdeponoe, die sich hell erleuchtet von dem strahlend wei\u00dfen aufblitzenden Himmel dahinter abhob.<br \/>\n\u00dcbrigens sehr schlau, dass ich mir 2 Kupferdr\u00e4hte wie eine Antenne am halben K\u00f6rper entlang direkt bis ins Gehirn, respektive die Ohren, verlegt habe&#8230; Nur um ganz sicher zu gehen, dass ein m\u00f6glicher Blitzeinschlag auch garantiert gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Schaden anrichten kann&#8230;<br \/>\nMir hatte auch niemand Wasser auf den R\u00fccken gekippt, der Platzregen setze wieder ein.<br \/>\nSofort nahm ich wieder die Beine in die Hand &#8211; zu fr\u00fch gefreut!<br \/>\nFast kam ich mir vor wie George Cloony und Mark Wahlberg an Bord der Andrea Gale.<br \/>\nJetzt zog ich voll an und spurtete nahezu das letzt St\u00fcck an der Wacht am Rhein den Damm hoch &#8211; im 3:50er Schnitt und nahe der HFmax, wie mir anklagend die auf GA1 eingestellte Uhr mitteilte.<br \/>\nSeis drum.<br \/>\nDie letzten 1000m in meine Siedlung waren dann wieder relativ unspektakul\u00e4r und ich lief absichtlich gelassen durch den str\u00f6menden Regen an den offenen T\u00fcren und M\u00fcndern der Teestuben und Teestubeng\u00e4ste vorbei.<br \/>\nMan darf auch ruhig mal zeigen was man geleistet hat: 15km in 65min, gr\u00f6\u00dftenteils GA1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wenn man um 19:30Uhr nicht wie geplant zum Vereinstreffen f\u00e4hrt, sondern zum N\u00fcchternlauf aufbricht, ist zwar in der Tagesplanung einiges schief gelaufen, aber das hei\u00dft ja nicht, dass der Tag per se schei\u00dfe war.&#8220; Hmm, nee. 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