{"id":218,"date":"2011-01-18T01:20:27","date_gmt":"2011-01-17T23:20:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=218"},"modified":"2013-04-06T01:23:09","modified_gmt":"2013-04-05T23:23:09","slug":"das-phantom-des-sportparks","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=218","title":{"rendered":"Das Phantom des Sportparks"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dienstag, 18. Januar 2011<\/strong><\/p>\n<p>Oh Boy!<br \/>\n&#8230;wie man sich doch t\u00e4uschen kann!<\/p>\n<p>Wie ihr&#8230;<br \/>\noder sollte ich &#8222;du&#8220; sagen, Matthias? Ich glaub wir sind hier unter uns!<br \/>\n&#8230; also wie &#8222;ihr&#8220; ja noch sicherlich wisst, hatte der Dummschwitzer letzten Dienstag seine Intervall-Premiere.<br \/>\nUnd was hat er danach gejammert&#8230;<!--more--><\/p>\n<p>Heute, bzw gestern, war das anders: Ich freute mich auf die Intervalle.<br \/>\nSchon den ganzen Tag \u00fcber.<br \/>\nDenn: es waren diesmal nur 400m-Intervalle!<br \/>\n6 St\u00fcck zwar, aber das sind ja zusammen nichtmal 2.5km!<br \/>\nZuz\u00fcglich warmlaufen, austraben, Dehnen und Duschen scheint der Dienstag die k\u00fcrzeste Trainingseinheit der jeweiligen Woche zu werden!<br \/>\nDaran k\u00f6nnte ich mich gew\u00f6hnen.<br \/>\nDas Wetter spielte auch mit: 8\u00b0C, kaum erw\u00e4hnenswerter Nieselregen.<br \/>\nPassend zum Tempo die Kleidung: Schuhe, Shorts, Shirt, Uhr.<br \/>\nZur Sicherheit, da es bei meinem Abflug um 18Uhr schon dunkel war, noch das gelbe Blinkarmband.<br \/>\nMehr braucht es nicht, um einen intervall-L\u00e4ufer gl\u00fccklich zu machen!<br \/>\nSonnenbrille, Mp3-Player, der G\u00fcrtel mit Trinkflasche und Kamerafach&#8230; all das bleibt dienstags zu Hause.<br \/>\nDa k\u00f6nnte ich ja auch gleich noch nen Rucksack anziehen und eine Tigerente hinter mir her ziehen!<br \/>\nAch ja, den Pulsgurt noch ungeschnallt. Schlie\u00dflich wollte ich ja schauen wie belastend diese Intervalle denn wirklich sind.<\/p>\n<p>Wieviel km\/h sind eigentlich 400m in 80 Sekunden?<br \/>\nAmbitionierte L\u00e4ufer sind in dieser Hinsicht n\u00e4mlich vergleichbar mit Schwangeren.<br \/>\nSo wie Schwangere scheinbar die F\u00e4higkeit verlieren in Monaten und Quartalen zu rechnen&#8230;<br \/>\n-bei einer Sache, die im Schnitt 9 Monate dauert eigentlich ne t\u00f6ffte Sache!-<br \/>\n&#8230; und jegliche Zeitangaben nur noch und ausschlie\u00dflich in Wochen von sich geben,<br \/>\n(&#8222;Wir sind ja schon in der 27. Woche Schwanger!&#8220; *kotz*)<br \/>\nso verliert der L\u00e4ufer mit der Zeit die F\u00e4higkeit die Einheit &#8222;Kilometer pro Stunde&#8220; sinnvoll zu gebrauchen.<br \/>\nUnsere &#8222;Wochen&#8220; hei\u00dfen &#8222;Minuten pro Kilometer&#8220;. Das machts halt leichter auf Renndistanzen und -Zeiten hochzurechnen.<br \/>\nWas wei\u00df denn ich was 400m in 80sek in min\/km oder gar km\/h sind?!<br \/>\nSo schnell wirds wohl schon nicht sein&#8230;<\/p>\n<p>Mit schadenfrohem Grinsen trottete ich, vorbei an den Autos im Feierabendverkehr, quer durch Leverkusen und erreichte ausreichend aufgew\u00e4rmt die \u00f6stlichen Ausl\u00e4ufer des Sportparks.<br \/>\nDie Uhr hatte ich schon von 1000er auf 400m-Runden umgestellt und statt der letzten Pace zeigte sie nun auch die letzte Rundenzeit an.<br \/>\nDer Plan war simpel. Alle 400m gibt das Ding nun ein helles Piepsen von sich. F\u00fcr Start- bzw. Stopp-Signal, je nachdem.<br \/>\nEs waren ziemlich viele Jogger, Walker und vereinzelt auch L\u00e4ufer unterwegs.<br \/>\nMan gr\u00fc\u00dfte sich stumm und taxierte heimlich die Ausr\u00fcstung des Gegen\u00fcber.<br \/>\nDenn: Ausr\u00fcstung ist gleichbedeutend mit Geschwindigkeit!<br \/>\nDas stimmt zwar kein St\u00fcck &#8211; aber man bildet sich das trotzdem ein!<br \/>\nDas erste Piepsen ereilte mich, und vielmehr auch eine Gruppe Nordic Walker vor mir, ungef\u00e4hr auf H\u00f6he des Restaurants &#8222;Chinesische Mauer&#8220;.<br \/>\nWie von der Tarantel gestochen stob ich nach vorne. 2, 3, 4 feste Antritte und ich erreichte meine gef\u00fchlte &#8222;Sollgeschwindigkeit&#8220; &#8211; die Walker kopfsch\u00fcttlend weit hinter mir lassend scho\u00df ich in ungeahntem und bisher unerlebtem Tempo gen Westen.<br \/>\n400m in h\u00f6chstens 80 Sekunden<br \/>\nBei so einem (f\u00fcr uns Hobby-Langstreckler m\u00f6rderischen) Tempo denkt man nicht mehr viel.<br \/>\nMan l\u00e4uft nur noch.<br \/>\nNach wenigen Schritten schon erreicht der Puls das Maximum.<br \/>\nNach 30 Sekunden bereits ist jeder Schritt eine Qual.<br \/>\nDie Lungen bersten, die Beine brennen, Die Arme fliegen weit vor und zur\u00fcck &#8211; und dieser dreimal verfluchte Pulsgurt dr\u00fcckt derma\u00dfen unangenehm auf den Brustkorb!<br \/>\nDas Einzige, was diesen vom Kurs abgekommenen Kometen jetzt noch zusammen h\u00e4lt ist:<br \/>\nDer Kopf.<br \/>\nEs hat noch nicht gepiepst!<br \/>\nUm Himmels Willen, wie lange dauert das noch?<br \/>\nDas sind doch schon Minuten, die ich hier laufe!<br \/>\nWieder 10, 15 Meter weiter:<br \/>\nHabe ich das Piepsen etwa \u00fcberh\u00f6rt?<br \/>\nEin zaghafter Blick auf die Uhr.<br \/>\nGar nicht so leicht, der rechte Arm schwingt f\u00fcr ein, zwei Schritte nicht im Takt mit, bringt mich aus dem Rythmus.<br \/>\nAber es bringt mir auch Gewissheit.<br \/>\n80 Meter noch!<br \/>\nMeine Beine f\u00fchlen sich an wie Gummi.<br \/>\nDer Kopf <em>will<\/em> nicht mehr, dass sie so schnell laufen.<br \/>\nEs piepst.<br \/>\nAls w\u00e4re ich vor eine unsichtbare Wand gedonnert, n\u00e4mlich binnen zweier Alibi-Auslaufschritte, bleibt der k\u00fcmmerliche Rest, der vom gro\u00dfen Dummschwitzer noch \u00fcbrig ist beinahe auf der Stelle stehen.<br \/>\nAber:<br \/>\nIch trabe noch. Ich stehe nicht!<br \/>\n&#8230;auch wenn es f\u00fcr Au\u00dfenstehende eher so aussehen mag, als ob ich nur die Beine anhebe und die Welt dreht sich einfach darunter hinweg&#8230;<\/p>\n<p>Die Zeit: 71 Sekunden<br \/>\nOkay&#8230; Vorgabe eingehalten!<br \/>\nMit M\u00fche zwar, aber nun habe ich 400 wohltuende, unendlich lange Meter mich davon zu erholen und dann ist der n\u00e4chste Intervall nur noch halb so wild&#8230;<br \/>\nDen Blick auf den Puls spare ich mir: Nach 100 Metern schon war ich bei maxHF angekommen, evtl hab ich diesen Messwert auch jenseits meiner bisherigen 193 geschoben.<\/p>\n<p>Um es kurz zu machen.<br \/>\nDer zweite Intervall verlief \u00e4hnlich. Die Zeit betrug 85 Sekunden, aber (und das ist keine plumpe Ausrede!) ich musste zweimal um 90\u00b0 nach rechts abbiegen, da die ersten 200 Meter \u00fcber die U-Turn-Br\u00fccke am CaLEVornia-Spa\u00dfbad f\u00fchrten!<br \/>\nNach dem dritten Intervall begann ich langsam eine kleine Ahnung davon zu erlangen, was Carl Lewis (100m in 9.xx Sek-Sprinter) bei seinem R\u00fccktritt meinte, als er sagte:<br \/>\n&#8222;Mein K\u00f6rper kann durchaus noch zwei Jahre auf Weltniveau mitlaufen, aber mein Kopf steht keine weiteren 10 Sekunden mehr durch.&#8220;<br \/>\nDer vierte Intervall war der Schlimmste: Gerade die H\u00e4lfte rum.<br \/>\nAlles was hier und heute mit mir geschehen ist&#8230;.<br \/>\nNoch&#8230; ein&#8230; mal&#8230; !<br \/>\nAber schon fast trotzig und wie von alleine schossen meine Beine auf Piepskommando der GPS-Uhr vorran.<br \/>\nMittlerweile hatte ich auch soetwas wie ein Gef\u00fchl f\u00fcr die 400m entwickelt.<br \/>\nDen ersten Intervall bin ich viel zu schnell angegangen und bereits nach 275 Metern abgekackt und auf dem Zahnfleisch geschwommen.<br \/>\nIm Schnitt kommts aber aufs Gleiche raus ein wenig langsamer zu starten aber daf\u00fcr die ganzen 400m konstant das Tempo zu halten.<br \/>\nUnd so endete dieser vierte Intervall abermals in schwerer Sauerstoffschuld und wild keuchend.<br \/>\nNach 82 Sekunden immerhin.<br \/>\nUnd dann kam er.<br \/>\nDer f\u00fcnfte Intervall.<br \/>\nEr wird mir <strong>und<\/strong> einer \u00e4lteren Radfahrerin wohl noch lange in Erinnerung bleiben.<br \/>\nIch trottete gerade auf den 400 Entspannungsmetern Richtung Eisenbahnbr\u00fccke auf dem linken Dh\u00fcnnufer, als ich durch die B\u00f6schung auf dem Radweg, parallel zu den Gleisen, ein Fahrrad &#8222;ins Bild fahren sah&#8220;.<br \/>\nEs w\u00fcrde in einiger Entfernung vor mir, von links nach rechts, \u00fcber die Eisenbahnbr\u00fccke fahren und&#8230;<br \/>\nDie Uhr piepste.<br \/>\nWie ein dressierter Hund und ohne auch nur den Hauch eines Gedanken an irgendwas zu verschwenden, hechtete ich vorran.<br \/>\nRationelles Denken ist bei L\u00e4ufern -gerade den Sprintern wie ich jetzt wei\u00df- kaum verbreitet.<br \/>\nDas Fahrrad passierte zwar tats\u00e4chlich noch vor mir die Br\u00fccke, aber ich kam keine Zehn Meter dahinter wie ein dunkler, laut keuchender Schatten aus dem unbeleuchteten Waldweg <em>geflogen!<\/em><br \/>\nDie Radfahrerin bog direkt hinter der Br\u00fccke rechts ab in Richtung BayArena &#8211; blieb also genau auf meiner Route.<br \/>\nIch hechtete in weitem Bogen hinterher.<br \/>\nDas \u00e4ltere M\u00fctterchen sortierte sich auf dem Radweg spontan ganz links ein und gab Gas.<br \/>\nJunge, junge, die hat auf ihre alten Tage aber noch ganz sch\u00f6n Schmackes in den Waden!<br \/>\nF\u00fcr den Dummschwitzer kein Grund M\u00fcdigkeit vorzusch\u00fctzen:<br \/>\nDa bleib ich nat\u00fcrlich dran!<br \/>\nMein Atem ging mit jedem Schritt lauter, die Schuhe schmetterten abwechselnd durch Pf\u00fctzen und dann wieder auf harten Asphalt.<br \/>\nSo \u00fcberholten wir zuerst einen jungen Radfahrer, danach ein Moped &#8211; und sprengten beinahe die Nordic-Walker von Intervall Eins auseinander.<br \/>\nNach 68 Sekunden beendete die GPS-Uhr meinen Intervall und vermutlich auch die Todes\u00e4ngste der armen Frau&#8230;<br \/>\n&#8230;weiviel km\/h sind eigentlich 400m in 68sek?<\/p>\n<p>Sei&#8217;s drum:<br \/>\nIch sollte aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr auf dieses Gepiepse konditioniere! Oder wenigstens ein wenig nachdenken, bevor ich derart losrenne.<br \/>\nKlickertraining f\u00fcr L\u00e4ufer ist eben nicht so prall: Da muss ich nur mal an einer roten Ampel stehen und irgendwer hat nen komischen SMS-Klingelton&#8230;<\/p>\n<p>Bleibt noch zu erw\u00e4hnen, dass ich auch den letzten Intervall mit Anstand und W\u00fcrde in 82 Sekunden hinter mich gebracht habe und auf dem R\u00fcckweg sogar wieder im entspannten 5:00min\/km-Tempo lief.<\/p>\n<p>So happy wie an diesem Dienstag kehrte ich selten nach Hause zur\u00fcck.<br \/>\n6 mal 400m Intervall &#8211; wer es nicht selbst erlebt hat, wird es nicht verstehen..<\/p>\n<p>Euer Dummschwitzer<\/p>\n<p>Nachtrag:<br \/>\n400m : 68s = 5,882m\/s * 3,6 = 21,176 km\/h<br \/>\n<em>Jetzt<\/em> bin ich doch etwas deprimiert&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag, 18. Januar 2011 Oh Boy! &#8230;wie man sich doch t\u00e4uschen kann! Wie ihr&#8230; oder sollte ich &#8222;du&#8220; sagen, Matthias? 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