{"id":228,"date":"2011-02-01T01:46:53","date_gmt":"2011-01-31T23:46:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=228"},"modified":"2013-04-06T01:54:03","modified_gmt":"2013-04-05T23:54:03","slug":"inuit-goes-intervall-oder-wie-bitte-gehts-zum-nordpol","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=228","title":{"rendered":"Inuit goes Intervall, oder: &#8222;Wie bitte gehts zum Nordpol?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dienstag, 1. Februar 2011<\/strong><\/p>\n<p>Wir schreiben das Jahr MMXI.<br \/>\nWie der Hunnensturm dereinst, ist \u00fcber Nacht der Winter \u00fcber Deutschland hereingebrochen.<br \/>\nIn Leverkusen herrscht, dank Inversion, Industrieschneefall auf den Stra\u00dfen und Wegen.<br \/>\nDie Temperaturen sind deutlich unter den Nullpunkt gefallen und der Wind pfeift bissig aus s\u00fcdwest.<br \/>\nWer sein Tagwerk vollbracht hat, sieht also tunlichst zu, dass er -oder sie- nach Hause ins Warme kommt.<br \/>\nSo auch ich!<br \/>\nZu Hause angekommen, betrat ich jedoch erstmal meinen begehbaren Trainingskleiderschrank (formerly known as Wohnzimmer) und suchte meine Klamotten zusammen.<br \/>\nDar Plan f\u00fcr heute lautete:<br \/>\n8 mal 400m Intervalle in je 1:40min.<!--more--><br \/>\nJa hey, super. Pro Intervall 20 Sekunden mehr, als bei den letzten 400ern und zum Ausgleich &#8222;nur&#8220; 2 schnelle Einheiten draufgepackt.<br \/>\nKlarer Fall: Bankirrtum zu meinen Gunsten!<br \/>\nAlso die Tights vom W\u00e4schest\u00e4nder gefischt und die Windstopper von der Hantelbank geklaubt.<br \/>\nSchuhe dr\u00fcber, fertig!<br \/>\nMehr braucht es eben nicht, um einen Wettkampfl\u00e4ufer gl\u00fccklich zu machen!<br \/>\nDer Blick zur Wetterstation verriet: -4\u00b0C<br \/>\nDer Blick auf die B\u00e4ume vervollst\u00e4ndigte: und Wind.<br \/>\nDas aber&#8230; eher nicht&#8230; so arg warm&#8230; eher&#8230; kalt!<br \/>\nOkok, also zus\u00e4tzlich \u00fcber die Tights die lange Capoeira und \u00fcber die Windstopper noch die Jacke.<br \/>\nUnd diesmal blo\u00df nicht das Kopftuch vergessen!<br \/>\nGarmin angelegt, Blinkarmband umgeschnallt.<br \/>\nSo betrachtete ich mich im Spiegel.<br \/>\nHmm&#8230; das jetzt aber schon bissel viel &#8211; f\u00fcr die schnellste Einheit der Woche, oder meinste nicht?<br \/>\nMal schauen, vielleicht kommen ja drau\u00dfen gerade die Herren Peary und Henson auf dem Weg zum Nordpol vorbei?<br \/>\nDann k\u00f6nnt ich mich jetzt anschlie\u00dfen. Einfach zunicken und wortkarg, wie wir Helden der Eisw\u00fcsten nunmal sind, erkl\u00e4ren: &#8222;Ich lauf nur ein St\u00fcckchen mit.&#8220;<br \/>\nDie hatten ja damals auch noch vier Inuits dabei:<br \/>\nUutaaq, Eghingwah, Sigloo und Ooqueah.<br \/>\n&#8230;wie genau kommt man eigentlich auf solche Namen?!<\/p>\n<p>Aber genug der langen Reden, in 90 Minuten bin ich schlie\u00dflich mit Wieselchen verabredet. Nach McCaf\u00e9 und Starbucks wollen wir diesmal eine neue Chocolaterie gleich ums Eck testen.<\/p>\n<p>So lief ich mich also warm.<br \/>\nGing ja eigentlich von den Temperaturen her.<br \/>\nAber irgendwie.<br \/>\nDer Kopf wird aber nicht so warm, wie ich es gerne h\u00e4tte und die H\u00e4nde&#8230;<br \/>\n&#8230;die H\u00e4nde!<br \/>\nOhje, ich hatte die Handschuhe vergessen.<br \/>\nIch Idiot!<br \/>\nSonntag hatte ich das Kopftuch vergessen und mich jetzt so sehr darauf konzentriert, dass ich diesmal die Handschuhe verga\u00df.<br \/>\nNur haben wir es jetzt nicht +4\u00b0C, sondern -4\u00b0C!<br \/>\nUmkehren?<br \/>\nUnm\u00f6glich!<br \/>\nDann w\u00fcrde ich Wieselchen hoffnungslos versetzen, oder aber niemals 8 Intervalle schaffen&#8230;<br \/>\nUnd warum frierts mich an der R\u00fcbe?<br \/>\nIch habe doch das Kopftuch an.<br \/>\nDas h\u00e4lt mich im Sommer doch auch erfrischend k\u00fchl!<br \/>\nWarum w\u00e4rmt es mich denn dann im Winter nicht?<br \/>\nKlappt bei der Thermoskanne doch auch?!<\/p>\n<p>Aus diesen, vermutlich gehirnfrostbedingten, stumpfsinnigen Gedanken riss mich das bekannte Piepsen.<br \/>\nDer erste Intervall!<br \/>\nEtwas verhalten trat ich an, 400m, 1:40min.<br \/>\nDas ist jetzt erstmal kein Hexenwerk.<br \/>\n400m und 1:30min sp\u00e4ter f\u00fchlte ich mich zwar best\u00e4tigt, den Rest von mir, mit Ausnahme der stechenden Lungen, aber eigentlich gar nicht mehr.<br \/>\nDie Augen tr\u00e4nten im eiskalten Wind. Vermutlich waren die Tropfen durch den Fahrtwind zu horizontalen Eiszapfen erstarrt.<br \/>\nHuiuiuiui, Intervalle bei Minusgraden.<br \/>\nEin ganz neues K\u00f6rpergef\u00fchl stellt sich da auf den 200m Erholungsmetern ein:<br \/>\nLangsam kehrt das Blut, Molek\u00fcl f\u00fcr Molek\u00fcl, auch in K\u00f6rperregionen zur\u00fcck, die nichts mit Atmen, Pumpen oder Beinen zu tun haben.<br \/>\nSo zum Beispiel, Arme, H\u00e4nde, Kopf, Testikel und Anhang.<br \/>\nFinger, Ohren und Nase w\u00e4ren auch gerne mit dem herrlich warmen Lebenselixir durchflutet worden &#8211; jedoch der Garmin piepste und der Dummschwitzer gehorchte!<br \/>\nAbermals tr\u00e4nten die Augen, die Eiszapfen an meinem Schl\u00e4fen waren sicherlich schon viele Zentimeter lang und wuchsen best\u00e4ndig weiter.<br \/>\nSo ging es Intervall um Intervall bis ich schlie\u00dflich beim Sechsten angelangte<br \/>\nDer Schnellste war bisher eine 1:29, der Langsamste eine 1:33.<br \/>\nIch hatte auch eine neue Taktik ausklam\u00fcsert.<br \/>\nDer &#8222;fliegende Start&#8220;, v\u00f6llig revolutionierend!<br \/>\nIch startete schon 20m vor dem eigentlichen Intervall und sparte so zum Einen die &#8222;Schrecksekunde&#8220; und dar\u00fcber hinaus die &#8222;Beschleunigungsphase&#8220;.<br \/>\nTja, ich bin halt ein Fuchs!<br \/>\nDie Temperaturen waren mittlerweile noch weiter sp\u00fcrbar gefallen. Jedenfalls nach meinem Empfinden.<br \/>\nDas waren doch jetzt schon mindestens -15\u00b0C.<br \/>\nMindestens.<br \/>\nUngelogen!<br \/>\nDas muss am Nordkurs liegen &#8211; zweifellos!<br \/>\nW\u00e4re ich doch mal lieber weiter nach S\u00fcden, der Sonne entgegen, gelaufen.<br \/>\nGut da liegt Leverkusen-Schlebusch&#8230; aber hey: Man kann ja nicht alles haben!<br \/>\nSo begann ich den vorletzten Intervall.<br \/>\nIch zwang meinen, bis in die letzte Faser rebellierenden K\u00f6rper zu einer neuen Tagesbestzeit: 1:25min<br \/>\nWas?<br \/>\nDas war doch jetzt nicht wirklich nur 5 Sekunden schneller, als der erste &#8222;Ich schau mal gem\u00fctlich wie et fluppt&#8220;-Intervall?<br \/>\n5 mickrige Sek\u00fcndchen?<br \/>\nDaf\u00fcr hatte ich mich wieder 400m nach Norden, dem eisigen Pol entgegen, gehetzt?<br \/>\nWobei&#8230;<br \/>\nDie Temperaturen hier&#8230;<br \/>\nDas sind mindestens -175\u00b0C<br \/>\nIch kam mir auch schon l\u00e4ngst nicht mehr vor wie ein Inuit am Nordpol, eher wie Neil Armstrong auf dem Mond &#8211; Aber in Bermudashorts!<br \/>\nMeine Nasenschleimh\u00e4ute hatten schon vor drei Intervallen aufgegeben die Atemluft anzuw\u00e4rmen und waren stattdessen spontan vereist.<br \/>\nDie Ohren, Finger und Nasenspitze waren stocksteif gefroren und die Lungenbl\u00e4schen glichen wahrscheinlich raureif \u00fcberzognenen, roten Christbaumkugeln.<\/p>\n<p>Ach was, druff geschissen. Der K\u00f6rper ist jetzt eh ruiniert.<br \/>\nDa kann ich auch mit Anstand, W\u00fcrde und neuer Tagesbestzeit abtreten.<br \/>\nImmerhin bin ich der erste Mensch auf dem Mond!<\/p>\n<p>Kasi beschleunigte, Garmin piepste, Kasi gab Vollgas:<br \/>\nYeah, das fetzt!<br \/>\nDas wird was!<br \/>\nVon mir und meinem Willen selbst \u00fcberrascht scho\u00df ich wie Usin Bolt \u00fcber den Damm gen Norden.<br \/>\nWow, wow, wow!<br \/>\nDas m\u00fcssen doch jetzt schon bald 400m sein. Geil geil geil.<br \/>\nIrgendwo entfernt klirrte etwas.<br \/>\nWahrscheinlich ist ein Finger abgebrochen, oder der unglaubliche Fahrtwind hat mir ein Ohr abgerissen. Egal, solange keine der beiden Lungen zerbrochen ist: Die brauche ich noch f\u00fcr einige, wenige Meter.<br \/>\nVor mir tauchten drei blinkende L\u00e4ufer auf, die mit entgegen kamen.<br \/>\nZiemlich schnell sogar.<br \/>\nDas lag jetzt aber weniger daran, dass <em>die<\/em> so schnell waren. Ok, vielleicht finden die ja mein Ohr, oder den Finger&#8230;<br \/>\n<em>Ich<\/em> halte n\u00e4mlich jetzt garantiert <em>nicht<\/em> wegen so einer Lapalie an!<br \/>\nDann, pl\u00f6tzlich gaben meine Beine nach.<br \/>\nFast knickte ich ein.<br \/>\nMerklich wurde ich langsamer.<br \/>\nDas gibts doch nicht. Nicht jetzt!<br \/>\nNach dem Intervall kann mich von mir aus der Schlag treffen, aber doch nicht 100 Meter davor?!<br \/>\nIch qu\u00e4lte mich, befahl meine Beinen: Weiter, Marsch, Marsch!<br \/>\nAber die Beine begannen zu meutern.<br \/>\nHousten, we have a problem!<br \/>\nVon Apollo 11 zu Apollo 13 in weniger als 400 Metern.<br \/>\nJetzt blo\u00df nicht schlapp machen, Tempo halten, Durchhalten.<br \/>\nDuuuuurrrrcchhhhhhhaaallltttteeeeennnnn!<br \/>\nIch passierte die Dreiergruppe, sie nickten mir zu, hoben jeder die Hand zum Gru\u00dfe.<br \/>\nLaut keuchend, v\u00f6llig am Ende des k\u00f6rperlich machbaren japste ich noch immer sehr schnell und nat\u00fcrlich ohne Gru\u00df vorbei.<br \/>\nTschiiiiuuhhhh Miep! Miep!<br \/>\nWenige Sekunden sp\u00e4ter sah ich das Garmindisplay durch den Jacken\u00e4rmel aufleuchten.<br \/>\nGeschafft!<br \/>\nWahnsinn, ich lebe noch!<br \/>\nKurz drehte ich mich um und rief den L\u00e4ufern ein lautes<br \/>\n&#8222;Hey sorry, aber das war ein Intervall!&#8220; hinterher.<br \/>\nKlang ungef\u00e4hr wie &#8222;Haisdawinvaa&#8220; und war so leise, das h\u00f6rte nichtmal ich richtig.<br \/>\n&#8230;Aber jetzt wei\u00df ich wenigstens wie die Inuits auf ihre Namen kommen!<\/p>\n<p>Bleibt zum Schluss noch zu erw\u00e4hnen, dass dieser letzte Intervall, bei dem ich alles gegeben hatte, trotz des verheerenden Leistungseinbruches auf den letzten 150 Metern, der Schnellste des Abends war.<br \/>\nUm genau 3 Sekunden n\u00e4mlich&#8230; (1:22min)<\/p>\n<p>Aber all die Schinderei wurde mehr als entlohnt durch den wirklich sehr, sehr sch\u00f6nen Abend mit Wieselchen in der Lifestyle-Chocolaterie &#8222;<strong><em>Chocofini<\/em><\/strong>&#8220; !<br \/>\nLounchige Atmosph\u00e4re, verschiedene Kaffeesorten, Cappuchini, Espressi, Trinkschokolade am Stiel in verschiedensten Aromen. Dazu beste Pralinen, ausgesuchte Schokoladen, selbstgebackener Kuchen, Cappuchino-Torte&#8230; und tats\u00e4chlich vieles, vieles mehr.<br \/>\nWir waren uns schon nach wenigen Augenblicken einig:<br \/>\nVergiss McCaf\u00e9, Starbucks und wie sie alle hei\u00dfen.<br \/>\nChocofini, <em>hierher<\/em> kommen wir gerne wieder!<\/p>\n<p>In diesem Sinne,<\/p>\n<p>Euer Dummschwitzer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag, 1. Februar 2011 Wir schreiben das Jahr MMXI. Wie der Hunnensturm dereinst, ist \u00fcber Nacht der Winter \u00fcber Deutschland hereingebrochen. In Leverkusen herrscht, dank Inversion, Industrieschneefall auf den Stra\u00dfen und Wegen. 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