{"id":230,"date":"2011-02-10T01:54:14","date_gmt":"2011-02-09T23:54:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=230"},"modified":"2013-04-06T01:57:19","modified_gmt":"2013-04-05T23:57:19","slug":"psychologische-kriegsfuhrung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=230","title":{"rendered":"Psychologische Kriegsf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Donnerstag, 10. Februar 2011<\/strong><\/p>\n<p>Ich h\u00f6re mich noch selbst auf die Frage eines Kollegen nach dem heutigen Trainingspensum antworten:<br \/>\n&#8222;Ach das ist easy going. Tempolauf. 6km \u00e1 4:50min. Da leg ich sogar entspannt ne Schippe bei, damits 4:40er werden. L\u00e4uft!&#8220;<\/p>\n<p>&#8230; 2 Stunden sp\u00e4ter auf dem unbeleuchteten M\u00fchlenbachdamm&#8230;<br \/>\n<!--more--><br \/>\nLautes, asthmatisches Keuchen schreckt in der Ferne ein paar V\u00f6gel auf, ein Passant fl\u00fcchtet sich mitsamt Hund freiwillig in den Gr\u00fcnstreifen.<br \/>\nAuftritt: Der Dummschwitzer!<br \/>\nAls w\u00e4re der Leibhaftige hinter mir her hechte ich, in mittlerweile unansehnlichen Laufstil, \u00fcber die kleine Asphaltspur des Dammes.<br \/>\nVerzweifelt klaubt mein K\u00f6rper die letzten Glykolreserven aus der Blutbahn, quetscht jedes K\u00f6rnchen Kohlehydrat aus den l\u00e4ngst brachliegenden Energiespeichern.<br \/>\nLaktat hat meine Beine schon lange bis zum Anschlag geflutet, das Gesicht gl\u00e4nzt wahrscheinlich hochrot. Fingerdicke Blutgef\u00e4\u00dfe quellen an K\u00f6rperstellen hervor, wo man sie unter normalen Bedingungen niemals vermuten w\u00fcrde.<br \/>\nImmer weiter fliege ich den beiden dunklen Schatten am Wegesrand entgegen.<br \/>\nDer Hund des Mannes hat sich klammheimlich mit einem &#8222;\u00c4hm, mach du das mal&#8220;-Blick hinter sein Herrchen verkr\u00fcmelt. Dieser nestelt an seiner Jacker herum.<br \/>\nEntweder sucht er sein Portemonaie&#8230; oder das Pefferspray.<br \/>\nMit gro\u00dfen Augen und offenem Mund blickt er mir entgegen.<br \/>\nKeine Ahnung womit dieser Mann gerechnet hat &#8211; mit dem Folgenden jedoch sicherlich nicht:<br \/>\nUnter dem rechten Jacken\u00e4rmel, ungef\u00e4hr auf H\u00f6he des Handgelenkes, leuchtet ein helles Stoffquadrat auf. Auf der Stelle bleibe ich stehen, atme zwei, dreimal tief durch, blicke mit einem dicken Grinsen kurz auf das leuchtende Display, drehe in &#8222;normalem&#8220; Lauftempo um und verschwinde lautlos wieder in der Dunkelheit.<br \/>\nHund und Herrchen beachtete ich \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>20 Minuten und 3 Sekunden zuvor:<\/p>\n<p>Dummschwitzer, der Bongart, hat auf den 3 Warmlaufkilometern angefangen zu denken.<br \/>\nNicht gut.<br \/>\nGar nicht gut.<br \/>\nIch hatte mir \u00fcberlegt:<br \/>\n&#8222;Hey, das ist Tempolauf! &#8230;4:40min\/km, das ist&#8230; das ist&#8230; einfach zu langsam. Lauf halt mal was schneller. Sind doch nur 6km und danach kannste gepflegt \u00fcber die Wupper gehen.&#8220;<br \/>\nUnd nebenbei verpasse ich meiner angestaubten 5km-Bestzeit noch einen gewaltigen Tritt in den Hintern. (Da wusste ich noch nicht, dass ich zwei Tage zuvor beim Intervall-Lauf bereits &#8218;aus Versehen&#8216; eine neue TBZ aufgestellt hatte)<br \/>\nDer Entschluss stand also fest!<br \/>\nOkay, es ist jetzt eher doof, dass ich nicht nur die lange Hose an habe, sondern auch noch die &#8217;schweren&#8216; GT-2150, die Windstopper nebst Stirnlampe und Armblinklicht, dar\u00fcber wegen des Regens die Laufjacke und in der Tasche neben Schl\u00fcssel und Taschent\u00fccher auch noch nen Mp3-Player.<br \/>\nAber daran kann ich jetzt auch nichts mehr \u00e4ndern.<\/p>\n<p>So zockelte ich auf dem ersten, schnellen Kilometer vorbei an der B\u00fcrgerhalle, was schonmal der erste Fehler war.<br \/>\nDenn ich war auf der &#8222;hei\u00dfen&#8220; Runde, musste aber noch \u00fcber den vielbefahrenen Zubringer der A1 und A59.<br \/>\nR\u00fcckblickend betrachtet war das allerdings schon der zweite Fehler. Der erste Fehler war, dass ich \u00fcberhaupt die lange Rheinroute und nicht 2 1\/2 Runden auf der AVUS gew\u00e4hlt habe.<br \/>\nDenn unter der Autobahnbr\u00fccke A1 wehte mir ein kleiner Vorgeschmack dessen entgegen, was mich auf den n\u00e4chsten Kilometern erwartete:<br \/>\nGegenwind.<br \/>\nIn den Rheinauen ging es eigentlich noch.<br \/>\nAber am Wupperufer war dann Schluss mit lustig.<br \/>\nIn vielen Kinderb\u00fcchern wird der Wind oftmals als dickes, pausbackiges Wolkengesicht dargestellt, dass den Menschen mit gespitzten Lippen und leicht zugekniffenen Augen freundlich den Wind entgegen bl\u00e4st.<br \/>\n<em>Das<\/em> ist nat\u00fcrlich <em>v\u00f6lliger<\/em> Schwachsinn!<br \/>\nIn Wirklichkeit hat der Wind n\u00e4mlich unter seinem dicken, aufgedunsenen Mondgesicht auch noch einen massiven, unf\u00f6rmigen K\u00f6rper mit zwei wurstigen Schwabbelarmen, mit denen er sich, einem unsichtbaren G\u00fcterzuge gleich, unbedarften L\u00e4ufern auf Bestzeitenjagd entgegen stemmt.<br \/>\nSo schauts n\u00e4mlich aus.<br \/>\nDas ist die ungeschminkte Wahrheit \u00fcber den sauberen Herrn Wind.<br \/>\nUnd Mundgeruch hat er auch.<br \/>\nObwohl, das mag an der Kl\u00e4ranlage in B\u00fcrrig liegen.<br \/>\nDie letzte H\u00e4lfte meiner 5000m-Sprinteinheit war jedenfalls die H\u00f6lle auf Erden.<br \/>\nFast kam es mir vor, als w\u00fcrde ich mich im 45\u00b0 Winkel vorn\u00fcbergebeugt den B\u00f6hen entgegen werfen &#8211; und trotzdem auf der Stelle treten.<br \/>\nAch was, auf der Stelle&#8230; Meine Schuhe radierten f\u00f6rmlich auf dem Asphalt und ich rutschte in Wahrheit sogar noch r\u00fcckw\u00e4rts!<br \/>\nUngelogen!<br \/>\nSo viel Kraft habe ich noch nie so wirkungslos in meine Beine gesteckt.<br \/>\nNoch dazu war das Teilst\u00fcck auf dem ich mich jetzt befand kerzengerade!<br \/>\n<em>Das<\/em> grenzt ja schon an Psychoterror. Au weia.<br \/>\nMein Ziel f\u00fcr heute war eigentlich eine 19er Zeit.<br \/>\nUnd wenn es eine 19:59 ist, egal!<br \/>\nDas \u00e4nderte sich auf diesem Abschnitt radikal: Ich wollte blo\u00df noch, dass es aufh\u00f6rt.<br \/>\nDas ist wiederrum das brutale am Laufen.<br \/>\nEs kann ja jederzeit aufh\u00f6ren. Einfach stehen bleiben und alle Qual ist vorbei.<br \/>\nEin Formel-1-Pilot dagegen kann jetzt nicht einfach mal so rechts ranfahren und sagen: Lecken, ich mag nimmer!<br \/>\nIch qu\u00e4lte mich weiter, Richtung Gegenwind.<br \/>\nUnaufh\u00f6rlich und unerbittlich.<br \/>\nVon so einem adip\u00f6sen Wolkengesicht lasse ich mich jedenfalls nicht fertig machen.<br \/>\nIch nicht!<br \/>\nDie Zeiten wurden immer bescheidener, Kilometer 4 war schon keine 3er-Zeit mehr.<br \/>\nDer Wind legte noch einen drauf. Ich hielt weiter dagegen an.<br \/>\nWenns im Rennen mal ungem\u00fctlichen Gegenwind gibt, kann ich schlie\u00dflich auch nicht rum memmen.<br \/>\nUnd immer daran denken: Gegenwind im Training ist wie R\u00fcckenwind im Rennen!<br \/>\nWelcher Idiot hatte das nochmal gesagt?<br \/>\n&#8230;Muss wohl ich gewesen sein. An einem der leicht-windigen Tagen, als ich mich noch freute wie gut ich Gegenhalten kann.<br \/>\nIch unterquerte mit Puls im unteren 90%-Bereich die rheindorfer Br\u00fccke und hechtete die Treppe hinauf.<br \/>\nMan ey, daran hatte ich ja auch nicht gedacht: Das kost unn\u00f6tig Kraft.<br \/>\nH\u00e4tte ich mal lieber 2 1\/2 Runden auf der AVUS gedreht&#8230;<br \/>\nH\u00e4tte, H\u00e4tte, liegt im Bette, wah?<br \/>\nAber bald ist es vorbei. Nur noch etwas \u00fcber 600 Meter, aber wenn der Wind nicht just in diesem Moment &#8222;zuf\u00e4llig&#8220; ebenfalls die Richtung \u00e4nderte, h\u00e4tte ich von nun an Seitenwind!<br \/>\nWieder musste ich eine Stra\u00dfe \u00fcberqueren.<br \/>\nVon vorn dr\u00f6hnte ein Wupsi-Bus auf die Kreuzung zu, von hinten 5 PKW.<br \/>\nNa ganz super, da werde ich mich jetzt aber nicht &#8222;durchmogeln&#8220;, das gibt ne 1a-Stra\u00dfenpizza&#8230;<br \/>\nAlso statt rechts \u00fcber die Stra\u00dfe auf den Seitenwind-Damm nach links auf den M\u00fchlenbachdamm.<br \/>\nUnbeleuchtet.<br \/>\nUngesch\u00fctzt.<br \/>\nGegenwind.<br \/>\nDer Rest ist ja bereits bekannt.<\/p>\n<p>Bleibt die Erkenntnis, dass man sich trotz 19er Zielzeit auch tats\u00e4chlich auch \u00fcber einer 20:03 wahrhaftig freuen kann. Auch wenn dieses ver\u00a7)$(% drei, in Worten: D R E I, Sekunden&#8230; *aufreg*<\/p>\n<p><code><br \/>\nKm --- Pace --------- Zeit<br \/>\n01 --- 4:05min\/km --- 04:05min<br \/>\n02 --- 3:50min\/km --- 07:54min<br \/>\n03 --- 3:56min\/km --- 11:50min<br \/>\n04 --- 4:03min\/km --- 15:53min<br \/>\n05 --- 4:10min\/km --- 20:03min (Neue 5km TBZ!)<br \/>\n06 --- 5:06min\/km --- 25:09min<br \/>\n07 --- 5:05min\/km --- 30:14min<br \/>\n08 --- 4:33min\/km --- 34:47min<br \/>\n08,9 - 4:48min\/km --- 39:17min<br \/>\n<\/code><\/p>\n<p>Ich werde in meinen Laufkalender dann wohl doch noch einen 5km-Lauf zwischen schieben. Mal schauen was es da so in der N\u00e4he im Angebot gibt, als kleine Generalprobe f\u00fcr einen der gr\u00f6\u00dferen L\u00e4ufe w\u00e4re das erstens nicht schlecht und zum Anderen ist dann bei den offiziellen Zeiten dieser elende 22min-Eintrag verschwunden.<br \/>\nEs sei denn es herrscht Gegenwind&#8230; aber das habe ich ja jetzt auch traininert!<\/p>\n<p>In diesem Sinne,<br \/>\nEuer Dummschwitzer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Donnerstag, 10. Februar 2011 Ich h\u00f6re mich noch selbst auf die Frage eines Kollegen nach dem heutigen Trainingspensum antworten: &#8222;Ach das ist easy going. Tempolauf. 6km \u00e1 4:50min. Da leg ich sogar entspannt ne Schippe bei, damits 4:40er werden. 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