{"id":254,"date":"2011-05-01T02:23:56","date_gmt":"2011-05-01T00:23:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=254"},"modified":"2013-04-06T02:27:20","modified_gmt":"2013-04-06T00:27:20","slug":"3-neun-meilen-von-leverkusen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=254","title":{"rendered":"3. Neun Meilen von Leverkusen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine harte Lektion in Sachen Renntaktik und &#8218;mentales Laufen&#8216;<\/strong><\/p>\n<p>Sonntag, 1. Mai 2011<\/p>\n<p>Die Spuren des 20km-StrongmanRun sind noch nicht ganz abgeheilt, da steht mit dem l\u00e4ngsten Stra\u00dfenrennen meiner bisherigen &#8218;Karriere&#8216; schon die n\u00e4chste, gro\u00dfe Herausforderung an:<br \/>\nEin 9 Meilen-Rennen durchs heimische Leverkusen.<br \/>\nRein konditionell betrachtet sind 9 Meilen, also 14.40km, gar keine gro\u00dfe Sache mehr.<br \/>\nAls Minimalziel hatte ich mir eine daher auch Zielzeit von unter 60 Minuten gesetzt, was einem Schnitt von 4:10min pro Kilometer entspricht.<br \/>\nZum Vergleich: In meinem bisher schnellsten 10km-Rennen bin ich Anfang M\u00e4rz dieses Jahr 3:51min\/km gelaufen.<\/p>\n<p>Derart beruhigt lie\u00df ich die Vorbereitung auch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig l\u00e4ssig angehen:<br \/>\nDie 36-st\u00fcndige &#8218;Pre-Run-Di\u00e4tphase&#8216;, um mein Wettkampfgewicht von knapp 77kg zu erreichen, wurde Samstagabend von einem Besuch beim Italiener (Spaghetti a la Scampi, als &#8218;Digestif&#8216; Latte Macchiato mit Vanille) und anschlie\u00dfendem Kinobesuch (Thor 3D, inklusive Salzpopcorn und Cola) j\u00e4h unterbrochen.<\/p>\n<p>Sonntags ging es dann zusammen mit Dummschwitzer-Mutti und Dummschwitzer-Schwester um 11Uhr gen Neulandpark und auch mein Bruderherz wollte noch rechtzeitig zum Start eintrudeln.<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0090.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Das Wetter war aus Zuschauersicht nat\u00fcrlich herrlich, f\u00fcr mich als L\u00e4ufer jedoch mit \u00fcber 20\u00b0C bereits einen Tacken zu warm.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0088.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Mutti und Schwester die, f\u00fcr sie ja noch ungewohnte, Atmosph\u00e4re bestaunten, trudelte ich zielstrebig bei der Unterlagenausgabe ein und kl\u00e4rte noch einige Details (wieviele Verpflegungsst\u00e4nde und an welchen Kilometern, usw.)<br \/>\nAuf dem Gel\u00e4nde ersp\u00e4hte ich auch noch das Ein oder Andere bekannte Gesicht vom 10km-&#8218;Rund ums Bayerkreuz&#8216;-Lauf Mitte M\u00e4rz, zumeist L\u00e4ufer des TV Refrath. Aber auch zwei Strongman-2011-Finisher-Shirts waren in der Masse auszumachen.<\/p>\n<p>Dann hielt ich endlich meine Startnummer in den H\u00e4nden: Na, wenn das mal keine Gl\u00fcckszahl ist!<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0008.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich meine letzten Startvorbereitungen vor dem Warmlaufen traf&#8230;<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0010.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0015.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p>&#8230;starteten die Allerkleinsten zu ihrem gro\u00dfen Lauf: Eine 1000m lange Runde quer durch den Neulandpark!<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0028.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0029.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Punkt 12 Uhr war es dann schlie\u00dflich soweit, unser Oberb\u00fcrgermeister gab den Startschuss zum Hauptlauf und knapp 300 L\u00e4ufer zw\u00e4ngten sich durch das Startgatter.<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0034.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Ich kam eigentlich ganz gut weg und lag nach der kleinen Platzrunde auf dem Startplatz schon recht weit vorne im Feld. \u00dcber eine kleine Rampe wurden wir auf den Radweg in Richtung Dh\u00fcnn geleitet. Tja, wem das jetzt aus meinen Trainingsberichten bekannt vorkommt: Ja, ein Gro\u00dfteil dieses Rennens wird auf meiner &#8218;Hausstrecke&#8216; stattfinden!<br \/>\nDer Radweg f\u00fchrte stetig bergab und so lie\u00df ich L\u00e4ufer um L\u00e4ufer bereits auf den ersten 500m hinter mir. Wo genau ich mich im Feld befand, wusste ich jedoch zu keinem Zeitpunkt genau.<br \/>\nNach ein paar hundert Metern warf ich einen kurzen Blick auf die Uhr, die mir im &#8218;Rennmodus&#8216; 4 Datenfelder zur Verf\u00fcgung stellt:<\/p>\n<ul>\n<li>Aktuelle Geschwindigkeit in &#8218;min\/km&#8216;<\/li>\n<li>Ben\u00f6tigte Zeit f\u00fcr den vorherigen Kilometer<\/li>\n<li>Zur\u00fcckgelegte Gesamtdistanz<\/li>\n<li>Gesamtzeit<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als aktuelle Geschwindigkeit lachte mich eine dicke 3:20min\/km an&#8230;<br \/>\nIch lerne es aber auch wirklich nie!<br \/>\nMein Ziel war doch ein Rennschnitt von 4:10min\/km.<br \/>\nImmer und immer wieder starte ich viel zu schnell in ein Rennen.<br \/>\nBei einem 10km-Lauf mag das ja noch irgendwie vertretbar sein, denn wenns mich auf Kilometer 8 umhaut, werde ich mich schon noch irgendwie die letzten 2000m ins Ziel retten k\u00f6nnen.<br \/>\nAber auf einem 15km-Lauf, oder gar Halbmarathon w\u00e4ren es bis zum Ziel noch 7 bzw sogar 14km: T\u00f6dlich!<br \/>\nIch versuchte also auf weiterhin absch\u00fcssiger Strecke ein wenig mein Tempo zu drosseln, \u00fcberholte aber trotzdem noch munter weiter, bis ich mich schlie\u00dflich mit zwei anderen L\u00e4ufern allein auf der Strecke wieder fand. Weiter vorne konnte ich noch ein paar Andere Teilnehmer und einen Radfahrer ausmachen: Die Spitze des Feldes!<br \/>\nSchlie\u00dflich erreichten wir drei die Dh\u00fcnn und \u00fcberquerten sie. Mitten auf der Br\u00fccke und relativ genau mit dem &#8222;1km-Schild&#8220; piepsten unsere Uhren, drei Augenpaare richten sich auf die entsprechenden Handgelenke und ich h\u00f6re mich im Abbiegen auf den Flussdamm selbst sagen:<br \/>\n&#8222;3:39min&#8220;<br \/>\n&#8222;Japp&#8220;, kommt es von einem der beiden Anderen knapp zur\u00fcck.<br \/>\n&#8222;Bissel schnell&#8220;, f\u00fcge ich hinzu.<br \/>\nOffenbar ist den Beiden nicht nach Konversation, denn niemand geht darauf ein.<br \/>\nAlso lasse ich Taten folgen, \u00fcberhole beide und setze mich auch recht gut von ihnen ab.<br \/>\nWie gesagt, das war direkt bei Kilometer 1.<br \/>\nUnd was jetzt folgte, sollte mein bisher h\u00e4rtester Lauf werden&#8230;<\/p>\n<p>Die Sonne stand beinahe Senkrecht am fast wolkenlosen Himmel und auf dem Dh\u00fcnndamm gab es f\u00fcr uns L\u00e4ufer nicht die Spur von Schatten.<br \/>\nAber das war es nicht, was den Lauf so hart machte, sondern: Ich war allein.<br \/>\nSchon nach wenigen Minuten wurde mir klar warum die F\u00fchrungsl\u00e4ufer immer einen Radfahrer zur Seite gestellt bekommen.<br \/>\nDie Einsamkeit war kaum auszuhalten.<br \/>\nIm Training laufe ich zwar beinahe immer alleine, aber diese Situation jetzt war f\u00fcr mich trotzdem ganz anders.<br \/>\nSich Kilometer um Kilometer im absoluten Wettkampftempo ohne sichtbaren Gegner nach vorne peitschen &#8211; Das zerm\u00fcrbt auf Dauer.<br \/>\nNoch dazu, wenn die Strecke \u00fcber einen, wenn \u00fcberhaupt, nur sehr sanft gekurvten Flussdamm f\u00fchrt.<br \/>\nKilometer 2 und 3 waren trotzdem ebenfalls weit unter der 4:00min\/km-Marke.<br \/>\nMittlerweile befand ich mich auch schon auf dem elendigen, weil scheinbar st\u00e4ndig von Gegenwind heimgesuchten M\u00fchlbach-Damm in Richtung Reuschenberg.<br \/>\nEin weiteres Problem des &#8218;F\u00fchrungslaufens&#8216; dr\u00e4ngte sich mir auf: Wo gehts denn lang?<br \/>\nDie Strecke war nat\u00fcrlich ordenlich ausgeschildert, aber wenn man mutterseelenallein auf eine Kreuzung zurennt, die von Polizei und Ordnern abgesperrt wird, wird man trotzdem unbewusste ein wenig langsamer und muss sich erstmal orientieren, wo es denn jetzt hier genau weiter geht.<br \/>\nAnders ist es nat\u00fcrlich, wenn man im Pulk l\u00e4uft, denn da hei\u00dft es einfach: Immer dem Vordermann nach, der wirds schon wissen.<br \/>\nEndlich fand der M\u00fchlbach-Damm ein Ende und ich unterquerte die Eisenbahn. Im Training w\u00fcrde ich jetzt hinter dem Geh\u00f6ft rechts abbiegen. Die Rennstrecke, oder besser gesagt: Zwei \u00e4ltere Streckenposten, f\u00fchrten mich aber stattdessen links \u00fcber eine kleine Br\u00fccke auf einen Feldweg. Lustigerweise bin ich vor genau einer Woche hier noch im &#8218;freien Training&#8216; rumgeflitzt, ich kannte den Weg also ziemlich gut. Es ging Richtung Wupper und schlie\u00dflich \u00fcber ihr hinweg parallel zur Eisenbahnstrecke.<br \/>\nHinter mir h\u00f6rte ich Schritte. Schnell und kurz.<br \/>\nIch blickte auf meine Uhr und stellte fest, dass ich endlich im glatten 4:00min\/km-Tempo angekommen war. Allerdings nicht ganz freiwillig, denn auf den Flussd\u00e4mmen herrschte fast durchg\u00e4ngig harrscher Gegenwind.<br \/>\nKeine 100m sp\u00e4ter \u00fcberholten mich die schnellen Schritte.<br \/>\nEs war ein L\u00e4ufer des TV Refrath.<br \/>\nIch war versucht zu sagen: &#8222;Endlich kommt die Abl\u00f6sung&#8220;, denn um ehrlich zu sein war ich froh nicht mehr ganz allein hier durch die Gegend zu rennen, aber stattdessen heftete ich mich wortlos an seine Fersen. Und das war w\u00f6rtlich zu nehmen, denn ich folgte ihm wirklich in nichtmal einem Meter Abstand.<br \/>\nEin weiterer Posten wie\u00df uns scharf nach Links und unverhofft tauchte der erste Getr\u00e4nkestand an Kilometer 5, sowie ein entgegenkommender Radfahrer auf.<br \/>\nDer Refrather lie\u00df den Stand sowie den Radfahrer rechts liegen, ich wollte mir zumindest einen Schluck Wasser g\u00f6nnen und hielt mich weiter rechts. Beinahe prallte ich in den Radfahrer, griff nach einem Becher und versch\u00fcttete einen Gro\u00dfteil des Inhaltes auf mir, dem Radfahrer und den Getr\u00e4nkeposten. Den Rest fl\u00f6\u00dfte ich mir im Laufen ein.<br \/>\nAls ich wieder aufblickte hatte der Refrather bereits gut 100m Vorsprung.<br \/>\nMist!<br \/>\nIch versuchte wieder aufzuschlie\u00dfen, aber scheibar zog er nun ebenfalls das Tempo an, denn der Abstand wollte einfach nicht geringer werden.<br \/>\nIm Gegenteil, es schien mir als w\u00fcrde er sogar langsam gr\u00f6\u00dfer.<br \/>\nSo arbeiteten wir uns durch die Feldwege rund um Rheindorf und unverhofft tauchte im Anflug auf eine kleine Wohnsiedlung links am Stra\u00dfenrand ein kleines Schild auf:<br \/>\n&#8222;Verpflegungsstation Paffrath&#8220;<br \/>\nstand darauf.<br \/>\nWie jetzt?<br \/>\nKeine 100 Meter weiter war ein weiteres Schild in die Erde gerammt:<br \/>\n&#8222;Sind im Urlaub, sorry&#8220;<br \/>\nBreit grinsend lief ich auf die Siedlung zu. \u00dcber eine kleine Haarnadelkurve ging es wieder zur\u00fcck in die Felderlandschaft. Die Strecke bestand hier wieder aus langen Geraden und 90\u00b0 Abzweigungen. Der Refrather befand sich zwar immer mal wieder kurz in Sichtweite, baute seinen Vorsprung aber Meter um Meter aus.<br \/>\nIn der letzten Rechtskurve, die uns aus den Feldern zur\u00fcck zum Wupperufer f\u00fchrte h\u00f6rte ich eine mir bekannte Stimme: &#8222;Ach sie mal, das Karschdele!&#8220;<br \/>\nKurz drehte ich mich um, um ganz sicher zu sein und rief meinem Arbeitskollegen mit erhobenen Arm zu: &#8222;Ach du bist das!&#8220;.<br \/>\nWeiter ging es, wie sollte es anders sein, schnurgerade Flussabw\u00e4rts an der Wupper entlang. Die Sonne schien mir von vorne ins Gesicht, aber wenigstens befand ich mich wieder auf meiner Trainingsstrecke.<br \/>\nEs ging der Ponton-Br\u00fccke entgegen, hinter welcher die zweite und Letzte Verpflegungsstation sein w\u00fcrde.<br \/>\nOk, Zeit f\u00fcr den Pr\u00e4ventivschlag!<br \/>\nIch puhlte mein einziges Gelpack aus der Ges\u00e4\u00dftasche (in meine Laufshorts passt nur ein Pack, da ich ja haupts\u00e4chlich damit nur 10km-Rennen laufe) und presste mir den Inhalt in den Mund.<br \/>\nZwar handelte es sich, im Gegensatz zum Lemon-Shock auf dem N\u00fcrburgring, um eine angeblich geschmacksneutrale Sorte &#8211; aber irgendwie hatte ich trotzdem das Gef\u00fchl als h\u00e4tte ich mir eine Wagenladung z\u00e4hfl\u00fcssigen Karamell in den trockenen Mund geschossen.<br \/>\nDie Br\u00fccke kam in Sicht und die Streckenposten &#8211; hatten sie gesperrt.<br \/>\nOh, ich Idiot!<br \/>\nDie Strecke f\u00fchrte tats\u00e4chlich erstmal an der Br\u00fccke vorbei und beschrieb eine ca 1500m gro\u00dfe Schleife, ehe sie mich wieder zur\u00fcck zur Br\u00fccke und schlie\u00dflich \u00fcber sie hinweg zur ersehnten Getr\u00e4nkestation 2 f\u00fchrte.<br \/>\nHier sah ich zum ersten Mal seit fast 40 Minuten einen anderen L\u00e4ufer als den Refrather. Allerdings lagen diese Gesellen weit hinter mir, da sie jetzt erst den Beginn der Schleife erreichten.<br \/>\nEndlich \u00fcberquerte ich die Br\u00fccke und erreichte die Getr\u00e4nkestation.<br \/>\nEin hilfreicher Posten balancierte, mitten auf dem Weg stehend, je einen Becher Wasser auf der Handfl\u00e4che, sodass ich kaum Zeit bei der Becheraufnahme verlor. Wieder landete ein Teil des Wassers in mir und der Rest auf dem Kopf.<br \/>\nIn der Ferne kam die Rheinbr\u00fccke in Sichte. 3km trennten mich noch von ihr.<br \/>\nNicht ungef\u00e4hr, sondern genau.<br \/>\nDiese Strecke laufe ich seit 2 Jahren 4mal pro Woche. Hier kenne ich jeden Kiesel bei Vornamen, wei\u00df um den fiesen, schnell drehenden Wind in den Auen und dem knallharten Kamineffekt direkt unter der Autobahnbr\u00fccke.<br \/>\nAll das lie\u00df mich sozusagen mit &#8218;eingezogenen&#8216; Kopf laufen. Wenn mir die Strecke v\u00f6llig unbekannt w\u00e4re, w\u00e4re ich wahrscheinlich v\u00f6llig unbek\u00fcmmert und in freudiger Erwartung auf die Zielgerade hier langewetzt.<br \/>\nStattdessen war ich stehts darauf bedacht immer ein paar Energiereserven f\u00fcr etwaige Windb\u00f6hen parat zu halten.<br \/>\nDie B\u00f6hen kamen zwar, waren aber nicht einmal ann\u00e4hernd so schlimm wie bef\u00fcrchtet.<br \/>\nEs folgte der kleine Anstieg zur &#8218;Wacht am Rhein&#8216;, links am Damm hockte ein Fotograf. Von irgendwoher wehte die Stimme meiner Mutter her\u00fcber: &#8222;Ach, der lacht ja noch.&#8220;<br \/>\nIch ersp\u00e4hte sie oben auf dem Rheindamm, winkte ihr wild zu, und mit einem Mal entpuppte sich der Fotograf auch als mein Bruder.<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0048.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Was ich nicht wusste: Nur 7 Minuten zuvor passierte der sp\u00e4tere Sieger diese Stelle.<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0043.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p>So erklomm ich den Rheindamm und direkt im Anschluss die Neulandbr\u00fccke. Beim Warmlaufen lache ich immer dar\u00fcber, aber nach 13km im Wettkampftempo schaut das schon ganz anders aus. <\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0049.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Nach der Br\u00fccke blockierte ein Posten den Zugang zum Neulandpark und deutete nach links.<br \/>\nOh man, ist das fies!<br \/>\nDas Zielgel\u00e4nde so dicht vor Augen, beschreibt die Strecke hier nochmal eine Schleife komplett um das Gel\u00e4nde.<br \/>\nIch bog also wie gehei\u00dfen links ab und stand pl\u00f6tzlich vor einer weiteren T-Kreuzung:<br \/>\nLinks ging es auf einem Schotterweg unter der Neulandbr\u00fccke hindurch, rechts ging es nach&#8230; \u00e4hm&#8230; Ich glaub auf die Rheinbr\u00fccke?<br \/>\nAlso links!<br \/>\nUnsicher lief ich ein paar Meter. Aber Schotter?<br \/>\nUnschl\u00fcssig blieb ich stehen und schaute mich nach einem Posten, oder gelben Schild um.<br \/>\nWeit und breit nichts in Sicht.<br \/>\nMein Bruder rief oben von der Neulandbr\u00fccke herab.<br \/>\nIch hob die Schultern, deutete vor und zur\u00fcck und schrie nur: &#8222;Wo lang?!&#8220;<br \/>\nKurz darauf h\u00f6rte ich auch meinen Bruder br\u00fcllen: &#8222;Ey! Wo muss er lang?!&#8220;, scheinbar galt das dem Posten oben am Eingang.<br \/>\nWild gestikulierte mein Bruder mir zu: Ich war schon richtig gewesen.<br \/>\nOk, also weiter.<br \/>\nVielleicht 20 Sekunden dauerte dieses Schauspiel, aber danach wieder anfangen zu Laufen&#8230; die Waden brannten, die F\u00fc\u00dfe gl\u00fchten, der Schwei\u00df quoll mir aus s\u00e4mtlichen Poren.<br \/>\nSo eierte ich ihm unansehnlichsten Laufstil, den je ein Mensch vollbrachte den Schotterweg entlang, wurde von einem weiteren Posten \u00fcberdeutlich nach links ins Parkgel\u00e4nde gelotst und folgt brav dem Weg.<br \/>\n\u00dcberall um mich herum spielten Kinder, picknickten Familien, tranken vermutlich herrlich k\u00fchle Getr\u00e4nke, schleckten Eis&#8230; und ich hechelte mit staubtrockenem Mund quer durch all diese Menschen hindurch.<br \/>\nWenn ich mich wenigstens in einem Pulk befunden h\u00e4tte &#8211; Aber so kam ich mir als einziger L\u00e4ufer mit Startnummer vor wie ein Alien.<br \/>\nGerade als ich schon wieder daran zweifelte, ob ich mich noch auf der Rennstrecke befand, erreichte ich den n\u00e4chsten Posten. Abermals ging es scharf links und schlie\u00dflich erreichte ich den Radweg, wen wir ganz zu Beginn stetig abfallend entlang liefen.<br \/>\nAber jetzt f\u00fchrte er bergauf.<\/p>\n<p>Damit ihr mal seht was ich meine, wenn ich sage &#8222;Ich lief das Rennen gr\u00f6\u00dftenteils alleine&#8220;. Der kleine Fleck ganz hinten, das bin ich:<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0051.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Und hinter mir herrschte dann abermals g\u00e4hnende Leere&#8230;<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0050.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Dieser letzte &#8218;Anstieg&#8216; saugte mir nahezu alle Kraft aus den Beinen.<br \/>\nVon irgendwoher kam pl\u00f6tzlich eine Radfahrerin des RC-Titan (ebenfalls eine Sportabteilung des Veranstalters Kronos Titan) auf mich zu und feuerte mich an:<br \/>\n&#8222;Los, los, du bist auf Platz 6, go go go!&#8220;<br \/>\nIch bin&#8230; was?!<br \/>\nDas kann doch unm\u00f6glich stimmen!<br \/>\nIch bin doch gar nicht so schnell gelaufen, habe au\u00dferdem mein Rennen komplett falsch eingeteilt und als Quittung ertrinken meine Waden gerade in einer wahren Laktose-Flut.<br \/>\nDie Radfahrerin drehte neben mir und begeleitete mich einige Meter, als ich auf den Start\/Ziel-Platz einbiege h\u00f6re ich schr\u00e4g neben mir ihre Stimme: &#8222;Los Leute, Anfeuern, Klatschen!&#8220;<br \/>\nDas Publikum gehorchte und kurz vor dem Ziel h\u00f6re ich pl\u00f6tzlich aus allen Lautsprechern die Stimme des Moderators:<br \/>\n&#8222;Und wer kommt da? Das ist&#8230; die Nummer 13&#8230; Karsten Stichler&#8230; von der &#8230; LT Miep! Miep! Leverkusen&#8230;&#8220;<br \/>\nSo flog ich im wahren Gef\u00fchlstaumel die letzten 100 Meter, zum Teil selbst klatschend, \u00fcber die Ziellinie.<\/p>\n<p>Mein Ziel, unter 60 Minuten zu bleiben, \u00fcbertraf ich mit 57:22min bei weitem und landete tats\u00e4chlich auf Platz 6 der Gesamtwertung (von 272 Startern) und Platz 2 meiner Altersklasse M30 (von insgesamt 20).<br \/>\nMit diesem Ergebnis bin ich nat\u00fcrlich sehr zufrieden, mit meiner gew\u00e4hlten Renntaktik dagegen so gut wie gar nicht, denn mit meinen M\u00f6glichkeiten w\u00e4re eindeutig mehr drinne gewesen. Denn h\u00e4tte ich die n\u00f6tigen Reserven und auch den Mut gehabt, so h\u00e4tte ich mich durchaus noch einige Kilometer an den Refrather anh\u00e4ngen k\u00f6nnen. Diese M\u00f6glichkeit habe ich mir aber durch die viel zu schnellen ersten beiden Kilometer direkt selbst genommen.<br \/>\nEinfach drauf losrennen mag bei kurzen Strecken wie 5 oder 10km ja noch halbwegs angehen.<br \/>\nAber wenn es dar\u00fcber hinaus geht, muss ich mir wirklich gerade im ersten Drittel des Rennens viel mehr Disziplin aneignen!<br \/>\nAu\u00dferdem war werde ich in Zukunft bei Unsicherheiten die Posten fragen auf welchem Rang ich ungef\u00e4hr liege, oder wie gro\u00df der R\u00fcckstand ist. Denn ich bin 8 Kilometer mutterseelenallein auf Platz 6 liegen umher gelaufen und habe meinem Konkurrenten beim \u00dcberholen zuvor auch noch hinterher gewunken.<br \/>\nBildlich gesprochen.<br \/>\nVon diesem Standpunkt aus betrachtet war es ein sehr wichtiges Rennen f\u00fcr mich!<\/p>\n<p>Mit einem neuen Streckenrekord gewonnen hat das Rennen \u00fcbrigens Martin D\u00f6hler (49:51, links) vor Pascal Mei\u00dfner (50:55, rechts) und Thomas Sambale (51:45)<br \/>\nSchnellste Frau wurde Silke Sch\u00e4pers (1:00:09, mitte) vor Janine Helwig (1:08:33, rechts) und Eve Lichter (1:09:52, links)<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/_pics_\/blog\/2011-05-01_neun_meilen\/IMG_0066.JPG\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"390\" \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Herzlichen Gl\u00fcckwunsch!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mein Fazit:<\/strong><br \/>\nDie 9 Meilen von Leverkusen ist eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleine, aber stetig wachsende Laufveranstaltung im Herzen Leverkusens.<br \/>\nDer Veranstaltungszeitpunkt am 1. Mai ist super gew\u00e4hlt und die Distanz von 14.4km ist eigentlich perfekt f\u00fcr Halbmarathon-Testl\u00e4ufe. Von daher wundert es mich eigentlich dass diese wirklich mit sehr viel Herzblut organisierte Veranstaltung nicht von viel mehr Teilnehmern des leverkusener EVL-Halbmarathons (der Mitte Juni stattfindet) wahrgenommen wird.<br \/>\nAu\u00dferdem sei erw\u00e4hnt, dass jeglicher Gewinn dieser Veranstaltung an die Stiftung &#8222;Help and Hope&#8220; geht!<\/p>\n<p>Euer Dummschwitzer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine harte Lektion in Sachen Renntaktik und &#8218;mentales Laufen&#8216; Sonntag, 1. Mai 2011 Die Spuren des 20km-StrongmanRun sind noch nicht ganz abgeheilt, da steht mit dem l\u00e4ngsten Stra\u00dfenrennen meiner bisherigen &#8218;Karriere&#8216; schon die n\u00e4chste, gro\u00dfe Herausforderung an: Ein 9 Meilen-Rennen &hellip; <a href=\"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=254\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/254"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=254"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/254\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":255,"href":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/254\/revisions\/255"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}