{"id":287,"date":"2011-08-09T12:54:17","date_gmt":"2011-08-09T10:54:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=287"},"modified":"2013-04-06T12:55:05","modified_gmt":"2013-04-06T10:55:05","slug":"heut-ist-einer-jener-tage","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=287","title":{"rendered":"&#8222;Heut ist einer jener Tage&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dienstag, 9. August<\/strong><\/p>\n<p>Hektik, Stress und Stress und Hektik!<br \/>\nEs war kurz vor 20 Uhr, als ich endlich zu Hause eintraf. Direkt nach der Arbeit hatte ich nur kurz die Tasche in die Ecke gefeuert, den bereitgelegten Anzug samt Hose gegriffen und schon eilte ich zum \u00f6rtlichen Edel-Modehaus, vor dem Wieselchen bereits wartete.<br \/>\nWir hatten uns zum Shoppen verabredet. Kasi wollte sich ein neues Hemd und eine passende Kravatte zulegen, denn am Wochenende bin ich zu einer Hochzeitsfeier in Trier eingeladen und da will ich schlie\u00dflich eine m\u00f6glichst gute Figur machen.<!--more--><br \/>\nNachdem ich die Verk\u00e4uferin eindrucksvoll von meinem Unwissen bez\u00fcglich 1\/1 \u00c4rmel, 1\/2 \u00c4rmel und die entsprechenden Auswirkungen auf die Farbe des Hemdes \u00fcberzeugte (Herbstmode, Sommermode&#8230;pfft!), fanden wir schlie\u00dflich doch noch eine echt schicke Farbkombination.<br \/>\nDie Frage der Mitarbeiterin, ob sie den doppelten Windsor gleich in der Kravatte lassen sollte, hatte f\u00fcr sie wahrscheinlich nur noch rethorischen Charakter.<br \/>\nIch kann den auch!<br \/>\n&#8230; es dauert halt nur ein paar Stunden l\u00e4nger als bei ihr, bis es sitzt.<br \/>\nDanach begaben wir uns noch auf die Suche nach einem Kleid f\u00fcr Wieselchen, wobei ich sie nat\u00fcrlich (stolz wie Bolle &#8222;dank&#8220; des frisch angelernten Modefachwissens) beriet.<\/p>\n<p>Zum Abschluss des Abends g\u00f6nnten wir uns je ein Hei\u00dfgetr\u00e4nk in der \u00f6rtlichen Niederlassung einer Hei\u00dfgetr\u00e4nkegro\u00dfkette.<br \/>\nF\u00fcr mich gabs dort wie gew\u00f6hnlich einen &#8222;Sweet Chai Tea Latte Venti&#8220;, danach trennten sich unsere Wege leider schon wieder.<\/p>\n<p>Jetzt war es also 20 Uhr und ich sa\u00df frisch mit Tee abgef\u00fcllt auf meiner Couch.<br \/>\nSo richtig Lust hatte ich ehrlich gesagt nicht aufs Training, zumal gestern die erste, richtige Studioeinheit nach dem neuen Plan stattgefunden hatte.<br \/>\nAber wat mudd, dat mudd &#8211; Heute ist schlie\u00dflich Regenerationslauf angesagt und wenns sein muss regeneriere ich bis die F\u00fc\u00dfe bluten!<br \/>\nSo sprengte ich mich trotz leichter Unlust in meine Laufsachen, band mir die Jacke um und st\u00f6pselte den Mp3-Player ein.<br \/>\nDie Lust w\u00fcrde schon beim Laufen kommen, dachte ich mir. W\u00e4re ja schlie\u00dflich nicht das erste Mal, dass es so ist.<br \/>\nDas Wetter auf der anderen Seite der Fensterscheibe war jedenfalls schonmal sehr kurios; ein erster Vorbote auf den Herbst.<br \/>\nDie Stra\u00dfen und Wege waren noch nass von den Regenschauern, wenn die Sonne einmal kurz durch die tiefh\u00e4ngenden Wolken stach, wurde es direkt brechend warm. Ansonsten litt die gef\u00fchlte Temperatur aber eindeutig unter den starken Windb\u00f6hen.<\/p>\n<p>Am Rhein angekommen riss die Sonne mit langen, honiggelben Armen die tiefh\u00e4ngende Wolkendecke auseinander. Im Osten dagegen gl\u00e4nzte bereits k\u00fchles Blau am Horizont.<br \/>\nF\u00fcr einen Augenblick hielt ich inne und lie\u00df dieses Schauspiel auf mich wirken.<br \/>\nGolden schimmerte der Fluss im Licht des nahenden Sonnenunterganges, die Autobahnbr\u00fccke warf einen schwarzen Schlagschatten als harten Kontrast.<\/p>\n<p>Mich trieb es den Radweg hinab auf Uferniveau und endlang des Stromes.<br \/>\nMit jedem Schritt, den ich nordw\u00e4rts lief, nahmen die Sonnenstrahlen andere, neue Formen an.<br \/>\nMit jeder Minute, die der Sonnenuntergang n\u00e4her r\u00fcckte, mischte sich mehr Blau und Rot in ihr Farbspiel.<\/p>\n<p>Aus den Ohrh\u00f6rern umpl\u00e4tscherten mich sanftes Schlagzeug und dezente E-Gitarren, nur hin und wieder von Textzeilen untermalt.<\/p>\n<p><code> \"...ich tr\u00e4um' von M\u00f6wen, von Schiffen im Hafen.<br \/>\n Von windschiefen B\u00e4umen und stern'klaren N\u00e4chten.<br \/>\n Fremden Ger\u00fcchen und fernem Gel\u00e4chter...\"<\/code><\/p>\n<p>Mit diesen Eindr\u00fccken bog ich ab auf einen komplett von Baumwerk \u00fcberdachten Teil des Radweges.<br \/>\nSchlagartig wurde es dunkler und erfrischend k\u00fchl. Mein Lauftempo hielt sich -Regenerationslauftypisch- in Grenzen; auf die GPS-Uhr schaute ich gar nicht mehr.<br \/>\nLangsam t\u00e4nzelte mir das Ende dieses Wegabschnittes als heller, sonnengefluteter Lichtpunkt, entgegen.<br \/>\nBis ich ihn erreichte, w\u00fcrde es jedoch noch ein Weilchen dauern.<br \/>\nSoll mir recht sein. Die feuchtk\u00fchle und von den Pflanzen am Wegesrand s\u00fc\u00df aromatisierte Luft war mir eine willkommene Abk\u00fchlung.<\/p>\n<p>Als die Baumkronen \u00fcber mir endeten, umflutete mich das Sonnenlicht so pl\u00f6tzlich und warm als habe jemand einen gigantischen Scheinwerfer auf mich gerichtet.<br \/>\nJedoch leuchteten die Wolken nun schon in einem deutlich satteren Gelbton und die einzelnen Strahlen stie\u00dfen bereits merklich flacher durch die Wolkenl\u00fccken.<br \/>\nDie Ponton-Br\u00fccke kam in Sicht, mein Weg f\u00fchrte mich nun in Richtung Osten, entlang der Wupper.<br \/>\nVor mir am Himmel breiteten sich purpurne Wolkenfetzen auf blauem Himmel aus. Mein Schatten lag wie eine langezogene Karsten-schablone vor mir auf dem Weg.<\/p>\n<p>Mittlerweile war der Mp3-Player schon mehrere Lieder weiter gesprungen, und ein weiterer, altbekannter Refrain, von wuchtigen Streichern untermalt, weckte Erinnerungen an eine nicht sehr ferne Vergangenheit, als das Laufen viel mehr f\u00fcr mich darstellte, als &#8222;nur&#8220; ein Wettkampfhobby.<\/p>\n<p><code>\"...du kennst eine Insel, die auf keiner Karte steht,<br \/>\n und dort liegt dein Haus in den D\u00fcnen.<br \/>\n Heut' Nacht wirst du geh'n, denn von dort...<br \/>\n ...kann man fast das Meer seh'n...\"<\/code><\/p>\n<p>Ich blickte auf meine F\u00fc\u00dfe und die Gedanken begannen zu arbeiten.<br \/>\nEis knirscht unter den Schuhsohlen, das Licht hat einen stahlblauen Teint angenommen. Atem kondensiert vor meinem Mund, die Welt um mich erstarrt in K\u00e4lte.<br \/>\nDiese Erinnerungen kommen mir so unwirklich vor.<br \/>\nDas kann doch unm\u00f6glich alles erst 9 Monate her sein?<br \/>\nKaum zu glauben, dass dies der selbe Weg und der selbe L\u00e4ufer sind<br \/>\n&#8211; und irgendwie sind sie es auch nicht.<\/p>\n<p>Die Percussion des n\u00e4chsten Liedes zerrte mich zur\u00fcck in das Hier und Jetzt.<\/p>\n<p><code>\"...in der leeren Stra\u00dfenbahn, sa\u00df sie pl\u00f6tzlich da:<br \/>\n Walkman h\u00f6rend, ungeschickt geschminkt.<br \/>\n Und er h\u00e4tte nie gedacht, dass an so einem Tag<br \/>\n sein Leben neu beginnt...\"<\/code><\/p>\n<p>Ich zog das Tempo an, wie jedesmal wenn dieses Lied l\u00e4uft und verlie\u00df schon bald die Wupper, um in die Waldweg-Landschaft zwischen B\u00fcrrig und Rheindorf einzutauchen.<br \/>\nDie Gelbt\u00f6ne waren nun fast vollst\u00e4ndig aus dem Sonnenlicht verschwunden. Blau, Rot und ihre Kombinationen hatten die Herrschaft \u00fcbernommen.<br \/>\nGetragen von der Musik und einer vollst\u00e4ndigen, inneren Zufriedenheit, schwebte ich im Halbschatten der B\u00e4ume am Gut Reuschenberg vorbei und entlang des M\u00fchlbaches auf die Dh\u00fcnn zu.<br \/>\nAm Ende des Dammes bog ich ab auf meine City-Trail-Strecke, wie es wohl im Neudeutsch so sch\u00f6n hei\u00dft. Zu Dutzenden stoben vor mir die Kaninchen aus dem kn\u00f6chelhohen Gras hervor, schlugen ein paar Haken &#8211; und verschwanden direkt im n\u00e4chstgelegenen Unterholz.<br \/>\nDer Weg vor mir war mit gro\u00dfen Pf\u00fctzen gespickt.<br \/>\nSpiegelglatt lagen sie im dunklen Zwielicht neben dem Stra\u00dfendamm, umrahmt von groben, grauen Schottersteinen.<br \/>\nAber in ihnen spiegelte sich ein grellrotes Feuerwerk aus Wolken, Sonne und Himmel.<br \/>\nWas f\u00fcr ein Bild!<br \/>\nWelch&#8216; ein Motiv f\u00fcr ein Bild&#8230;<br \/>\nSpiegel sind die Tore in eine andere Welt.<\/p>\n<p><code>\"...nur rund um uns wirds still,<br \/>\n Wir brauchen nichts zu sagen: Gib Wundern keinen Namen,<br \/>\n Sie verschwinden vor den Augen, wenn man zuviel dr\u00fcber spricht!<br \/>\n wenn man zuviel dr\u00fcber spricht...\"<\/code><\/p>\n<p>Der gro\u00dfe DJ da oben hat heute tats\u00e4chlich ein bemerkenswertes Timing!<br \/>\nNur schwer kann ich mich losrei\u00dfen und weiter laufen.<br \/>\nNach einigen Kurven geht es f\u00fcr mich nun wieder gen S\u00fcden. Der Sonnenuntergang liegt f\u00fcr mich kaum sichtbar schr\u00e4g hinter mir.<br \/>\nVor mir breitet sich bereits die Nacht aus, der Himmel zeigt sich in dunkelstem Blau, Sterne sind aber keine zu erkennen.<br \/>\nLeverkusen ist leider eine weitesgehend sternfreie Stadt: Zuviel Lichtemission durch die ans\u00e4ssige Industrie.<\/p>\n<p>\u00dcber meinen Lieblingsabschnitt, der 10cm breiten Laufschneise im grasbewachsenen Dh\u00fcnnufer, strebe ich meiner Wohnung entgegen.<br \/>\nKurz vor Erreichen des asphaltierten Auslaufkilometers singt es mir aus den Ohrh\u00f6rern entgegen:<br \/>\n<code><br \/>\n\"Heut ist einer jener Tage,<br \/>\n an denen jeder Windzug vage,<br \/>\n eine Ahnung tr\u00e4gt,<br \/>\n warum die Welt sich dreht.\"<br \/>\n<\/code><\/p>\n<p> Dem ist nichts hinzu zu f\u00fcgen.<\/p>\n<p><code><br \/>\nAnmerkung zum Copyright:<br \/>\nAlle von mir in diesem Beitrag zitierten Liedpassagen sind geistiges Eigentum von <a href=\"http:\/\/www.schelpmeier.com\/\" target=\"_blank\">Dirk Schelpmeier<\/a><\/p>\n<p>Die verwendeten Titel sind:<br \/>\n- \"Richtung S\u00fcden\" (Album: Seest\u00fccke & Weibsbilder)<br \/>\n- \"Von dort kann man fast das Meer sehen\" (Album: Seest\u00fccke & Weibsbilder)<br \/>\n- \"An so einem Tag\" (Album: Neues aus Bentrup)<br \/>\n- \"Still\" (Album: Neues aus Bentrup)<br \/>\n- \"Wo die Schiffe sind\" (Album: Seest\u00fccke & Weibsbilder)<br \/>\n<\/code><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag, 9. August Hektik, Stress und Stress und Hektik! Es war kurz vor 20 Uhr, als ich endlich zu Hause eintraf. 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