{"id":310,"date":"2011-10-23T13:17:06","date_gmt":"2011-10-23T11:17:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=310"},"modified":"2013-04-06T13:18:18","modified_gmt":"2013-04-06T11:18:18","slug":"trainingshalbmarathon-wider-willen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=310","title":{"rendered":"Trainings(halb)marathon wider Willen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sonntag, 23 Oktober 2011<\/strong><\/p>\n<p>Mein Garmin piepste zum 15. Kilometer und eigentlich w\u00fcrde damit meine heutige Trainingseinheit enden, denn mehr hatte ich mir nicht vorgenommen.<br \/>\nEigentlich.<br \/>\nNur leider befand ich mich nicht wie geplant vor der heimischen T\u00fcr, oder zumindest in ihrer unmittelbaren N\u00e4he.<br \/>\nIch befand mich nichtmal in mittelbarer N\u00e4he.<br \/>\nDenn ehrlich gesagt &#8211; ich hatte keine Ahnung wo ich mich befand.<br \/>\nIrgendwo im Niemandsland zwischen den Stadtteilen Opladen, Rheindorf und B\u00fcrrig.<br \/>\nSo vermutete ich.<br \/>\nAm Rande eines Ackers.<br \/>\nDas wusste ich.<br \/>\nSymboltr\u00e4chtig lachte mich ein Schild an: &#8222;Privatweg &#8211; Unbefugtes Betreten verboten&#8220;<br \/>\nSo sind sie, die Deutschen, weltoffen und gastfreundlich.<br \/>\nMisstrauisch warf ich einen Blick auf meine Beine.<br \/>\nDeutlich traten die Adern unter der Haut hervor, im linken Quadrizeps zuckte es dann und wann unkontrolliert.<br \/>\nSehr viel w\u00fcrde ich diesen geschundenen Muskeln heute nicht mehr zumuten k\u00f6nnen, 15 h\u00fcgelige Waldkilomter im 4:35min\/km-Schnitt noch dazu in den nagelneuen Cross-Schuhen hatten deutliche Spuren hinterlassen.<br \/>\nDie F\u00fc\u00dfe an sich f\u00fchlten sich aber noch ganz gut an &#8211; Oh, ich hatte ja keine Ahnung&#8230;<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch hatte es tats\u00e4chlich geschafft mich auf meiner &#8222;erweiterten Hausrunde&#8220; zu verlaufen. Wie peinlich ist das denn!?<br \/>\nIrgendwo auf den letzten Kilometern bin ich scheinbar falsch abgebogen -Korrektur- Ich bin eben nicht abgebogen, sondern weiter auf dem Feldweg geblieben.<br \/>\nDas fiel mir dann auch irgendwann sogar auf, n\u00e4mlich als der Untergrund von Sand auf Asphalt wechselte, quittierten meine unged\u00e4mpften Cross-Renner das direkt mit Argwohn.<br \/>\nAnstatt nun auf der Stelle zu wenden, bin ich halt mal weiter gelaufen.<br \/>\n&#8222;Wird schon nicht im Nichts enden, der Weg&#8220;, dachte ich noch und &#8222;Umwege verbessern die Ortkenntnis&#8220;&#8230;<br \/>\nNun stand ich aber doch vor dem &#8222;Nichts&#8220;, respektive jenem freundlichen Verbotsschild.<br \/>\nDie Sonne tackerte mir aufs Dach, der Mund war trocken, das Hemd daf\u00fcr nass geschwitzt.<br \/>\nUnd ich hatte Hunger.<br \/>\nGanz fiese Kombination das.<br \/>\nEs hilft ja alles nichts: Ich muss wieder zur\u00fcck.<br \/>\nUm die Gelenke ein wenig zu schonen lief ich konsequent im kleinen Gr\u00fcnstreifen neben der Stra\u00dfe und nach knapp zwei Kilometern erreichte ich tats\u00e4chlich wieder bekanntes Terrain.<br \/>\nIch befand mich nun in der Ackerlandschaft Ortsausgang Rheindorf.<br \/>\nUnd ich wusste: Von hier aus sind es noch knapp 5 Kilometer bis nach Hause.<br \/>\nDer aufkommende Wind k\u00fchlte mein triefendes Trikot unangenehm aus, f\u00fcr einen Moment schloss ich die Augen, atmete einmal tief durch und tats\u00e4chlich: Die Beine setzten sich nochmal in Bewegung.<br \/>\nIm glatten 5-Minuten-Schnitt, also 12km\/h, zockelte ich am Wegesrand vorbei an Wandergruppen, Familienausfl\u00fcglern und kam mir dennoch vor wie der einsamste Mensch auf Erden.<br \/>\nMeine Beine verrichteten stur ihre Arbeit, die Oberarme schwangen leicht mit, schmerzten aber schon merklich.<br \/>\nJede Bank am Wegesrand, jedes schattige Pl\u00e4tzchen hatte pl\u00f6tzlich eine nahezu hypnotische Wirkung auf mich.<br \/>\nHinsetzen und ausruhen.<br \/>\nNur ein paar Min\u00fctchen.<br \/>\nAber ich wusste genau, dass ich mich dann kaum noch aufrappeln w\u00fcrde k\u00f6nnen.<br \/>\nJedenfalls nicht in der n\u00e4heren Zukunft.<br \/>\nBank um Bank, Stein um Stein lie\u00df ich also links liegen, erreichte schlie\u00dflich die Dh\u00fcnn und entschied mich f\u00fcr den Naturpfad direkt am Ufer.<br \/>\nDer ist zwar noch kraftraubender, daf\u00fcr aber weicher weil Wiese und vor allem: 200 Meter k\u00fcrzer, als oben auf der Dammkrone.<br \/>\nDie Sonne schien mir aber auch leider hier weiterhin ungebremst auf meine Runkel.<br \/>\nDas 4:45min\/km-Tempo konnte ich tats\u00e4chlich halten, aber nun begannen sich auch die F\u00fc\u00dfe, vor allem der Linke, zu melden.<br \/>\nNagelneue Schuhe sollte man halt nicht direkt auf so einem &#8222;Gewaltmarsch&#8220; einlaufen.<br \/>\nVor allem die Schnellschn\u00fcrung hatte sich als ungewohnter als gedacht herausgestellt.<br \/>\nNach knapp 2500 Metern endete der Naturpfad und ich erklomm&#8216; m\u00fchsam die circa 5 Meter hohe Dammkrone.<br \/>\nJetzt ist es nicht mehr weit.<br \/>\nGute 1000m \u00fcber den Damm.<br \/>\nKleinigkeit.<br \/>\nDanach nochmal ein kleines St\u00fcck durch die Einkaufspassage.<br \/>\nDas ist nichts.<\/p>\n<p>Nach mehr als 21 Kilometern Gesamtstrecke erreichte ich dann tats\u00e4chlich mein trautes Heim.<br \/>\nMein K\u00f6rpergef\u00fchl h\u00fcftabw\u00e4rts war eine ungewohnte Mischung aus &#8222;Gummi&#8220; und &#8222;Bet\u00e4ubtes Fleisch&#8220;.<br \/>\nDas Dehnen ungewohnt schmerzhaft, aber als ich dann nach der erfrischensten Dusche seit langem in den Spiegel schaute, grinste mich das Konterfeit eines rundum zufriedenen Menschen an.<\/p>\n<p>Leider hatte ich mir auf der linken kleinen Zehe eine gewaltige Blase gelaufen, die im Laufe des Abends sogar noch an Volumen zulegte.<br \/>\nMangels &#8222;Langl\u00e4ufer-Besteck&#8220; musste ich mir mit einer abgekochten, spitzen Schere Erleichterung verschaffen.<br \/>\nMorgen, so nahm ich mir vor, w\u00fcrde ich direkt nach Arbeit und Training in der Apotheke vorstellig werden.<\/p>\n<p>Aber das ist wieder eine andere Geschichte&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag, 23 Oktober 2011 Mein Garmin piepste zum 15. 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