{"id":888,"date":"2014-03-24T19:47:02","date_gmt":"2014-03-24T17:47:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=888"},"modified":"2014-03-24T19:47:02","modified_gmt":"2014-03-24T17:47:02","slug":"25-jahre-reisverschluss-ein-jubilaum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=888","title":{"rendered":"25 Jahre &#8222;Rei\u00dfverschluss&#8220; &#8211; Ein Jubil\u00e4um"},"content":{"rendered":"<p><em>Vorweg zur Info:<br \/>\nDen folgenden Bericht habe ich vor einiger Zeit (2010) aus dem Ged\u00e4chnis verfasst. Dies sind meine Erinnerungen, so habe ich es erlebt. Ob sich die einzelnen Dinge auch haargenau so abgespielt haben vermag ich nicht mehr zu garantieren.<\/em><\/p>\n<p><strong>24.03.1989 &#8211; Karfreitag<\/strong><\/p>\n<p>Drei Rennradfahrer preschen in Schussfahrt einen Feldweg nahe der deutsch-franz\u00f6sischen Grenze hinab.<br \/>\nAn der Spitze mein Bruder auf seinem blauen Geschoss, dicht gefolgt von mir und meinem mattsilbernen Rad. Etwas abseits, aber nicht minder schnell, unser Vater.<br \/>\nDer Stra\u00dfenbelag, sofern man diesen Weg Stra\u00dfe nennen kann, besteht aus Asphalt und Rollsplitt. Kein sonderlich angenehmer Untergrund, aber auch kein unl\u00f6sbares Problem. Der 50km\/h-Marke deutlich n\u00e4her als der 40er, trennen unsere Laufr\u00e4der nur wenige Zentimeter.<br \/>\nDa bemerke ich wie sich Paps langsam in mein Sichtfeld vorarbeitet und schlie\u00dflich auch meinen Bruder \u00fcberholt.<br \/>\nWie ich sp\u00e4ter erfuhr, wollte er uns etwas abbremsen, da weiter vorne ein Bordstein quer \u00fcber den Weg verlief.<br \/>\nDamals jedoch deutete ich sein Tempo als Herausforderung.<br \/>\nDie H\u00e4nde an den Bremshebeln entspannten sich, obwohl wir uns noch in einer langen rechtskurve befanden.<br \/>\nSchnell, sehr schnell, nehme ich weiter Fahrt auf. Das Hinterrad meines Bruders ist nun be\u00e4ngstigend nahe, da er sein Tempo gehalten hat. Ich gebe einen Tip nach rechts, keinen Augenblick zu fr\u00fch, denn schon befinden sich beide Radnaben auf einer H\u00f6he, sein hinterer Umwerfer nur Millimeter von meinem vorderen Schnellspanner entfernt.<br \/>\nDas ist zu nahe, viel zu nahe.<br \/>\nIch befinde mich im absolut toten Winkel meines Bruders, er hat keine Ahnung in welche Situation ich uns beide man\u00f6vriert habe &#8211; als er seine Spur leicht nach rechts korrigiert ziehe ich beide Bremshebel voll durch&#8230;<br \/>\nF\u00fcr den Bruchzteil einer Sekunde geschieht nichts, kurz denke ich meine Bremsen seien defekt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nMit einem Male schie\u00dft mein Bruder mit seinem Rad wie von einem Katapult gezogen nach vorne weg, entfernt sich rasend schnell von mir weg.<br \/>\nMein Vorderrad blockiert, droht seitlich weg zu rutschen und obwohl ich mich voll in den Lenker stemme, dr\u00fcckt mich die Massentr\u00e4gheit aus dem Sattel, genau der Lenkstange entgegen.<br \/>\nDas Rad meines Bruders hebt ab, verschwindet in Zeitlupe nach oben aus aus meinem Blickfeld. Habe ich ihn etwa touchiert?!<br \/>\nLangsam schiebt sich von unten eine graue Fl\u00e4che vor meine Augen.<br \/>\nF\u00fcr einen Moment sehe ich nur Asphalt &#8211; mein Bike stand zu diesem Zeitpunkt nahezu senkrecht auf dem Vorderrad.<br \/>\nIch rei\u00dfe die H\u00e4nde zum Schutz vor das Gesicht, l\u00f6se dadurch die blockierte Vordertbremse und jage einige Meter nur auf dem Vorderrad die Stra\u00dfe hinab, bis es schlie\u00dflich umschl\u00e4gt und mir den Lenker mit unglaublicher Wucht in den Bauch rammt.<br \/>\nWie in Zeilupe falle ich jetzt dem grauschwarzen Boden entgegen.<br \/>\nAlles war nahezu lautos von statten gegangen, als ob jemand den Ton abgestellt hatte.<br \/>\nDies \u00e4ndert sich jetzt schlagartig.<br \/>\nZuerst ist da ein ekelhaftes Knirschen als ich in den Rollsplitt eingeschlage, die H\u00e4nde und Arme noch immer sch\u00fctzend vor dem Gewicht.<br \/>\nAls das Kinn aufkommt, dr\u00f6hnt ein seltsam hallendes Ger\u00e4usch in mir auf, vergleichbar dem eines Plastikfussballes, den man immer und immer wieder wie wild auf einen Steinboden drischt. Mein Unterbauch wird noch fester in den Lenker gedr\u00fcckt, die Beine stehen fast senkrecht vom Boden ab, meine F\u00fc\u00dfe in den hinteren Speichen verklemmt.<br \/>\nDann bricht um mich herum ein H\u00f6llenget\u00f6se los.<br \/>\nWiderlich scheuernd, metallisch dr\u00f6hnend, heult und klagt mein Rad laut auf, als es, und somit auch ich selbst, schlie\u00dflich der L\u00e4nge nach auf dem Boden aufschlagen.<br \/>\nKopf voran rutsche ich noch viele Meter in meinem Alukn\u00e4uel verkeilt den Hang hinab. Arme, Kinn, Beine bis aufs Fleisch aufscheuernd.<\/p>\n<p>Ich sehe nur Boden, ganz nah vor mir.<br \/>\nViele, viele kleine Rollsplittsteine umgeben mich. Und etwas Gras.<br \/>\nEine Graskuhle &#8211; Der Stra\u00dfengraben?<br \/>\nWas ist passiert?<br \/>\nWarum liege ich auf dem Boden?<br \/>\nUnendlich weiter hinten und bereits verschwommen sehe ich Ingo<br \/>\nund Paps auf ihren R\u00e4dern.<br \/>\nMir ist warm, Schwei\u00df dringt aus allen Poren. Deutlich rieche ich die Steine, das Gras, alles um mich herum.<br \/>\nEs ist so endlos lange still.<br \/>\nKein einziges Ger\u00e4usch nehme ich wahr.<br \/>\nAbsolute Stille.<br \/>\nMinuten, nein, Stunden vergehen, es sind wohl aber nicht einmal wenige Sekunden gewesen.<br \/>\n&#8222;Bin ich etwa gest\u00fcrzt?&#8220;<br \/>\nMein Blick fixiert etwas rotes vor mir.<br \/>\nEs bewegt sich.<br \/>\nLangsam und vorsichtig wiegt es sich auf dem Asphalt, nimmt dabei Dreck und Split in sich auf.<br \/>\n&#8222;Ich muss wohl gest\u00fcrzt sein!&#8220;<br \/>\nIch liege noch immer da, blicke jetzt aber langsam \u00fcber meine blutige Hand hinweg in die Ferne, den Beiden R\u00e4dern hinterher.<br \/>\n&#8222;Die haben nichts gemerkt!&#8220;, ist mein einziger Gedanke, &#8222;Die fahren weiter!&#8220;, meine gr\u00f6\u00dfte Angst.<br \/>\nIch muss mich bemerkbar machen.<br \/>\nEs ist so still, kein Laut zu h\u00f6ren.<br \/>\nEin gellender Schrei dringt an mein Ohr, bringt mich wieder zur\u00fcck ins Hier und Jetzt&#8230;<br \/>\n&#8222;Oh je, wer schreit denn hier so?!&#8220;, denke ich tats\u00e4chlich noch, dann erkenne ich: Ich bin es selbst, dessen Schreie schrill und verzerrt die idyllische Landschaft aufschrecken.<br \/>\nDie R\u00e4der hatten l\u00e4ngst angehalten und kehrt gemacht.<br \/>\nPaps sch\u00e4lt mich vorsichtig aus den Resten meines Rennrades, meine H\u00e4nde, Arme, Oberschenkel, das Kinn sind nur noch rote, brennende Fl\u00e4chen mit unz\u00e4hligen schwarzen Rollsplittpunkten versehen.<br \/>\nWarm, nein, hei\u00df; mein K\u00f6rper gl\u00fcht f\u00f6rmlich.<br \/>\nArme und Beine stehen in Flammen, mein Kinn scheint zu schmelzen, l\u00f6st sich komplett in warmen Wogen auf.<br \/>\nEs f\u00fchlt sich an, als l\u00e4uft das gesamte Kinn langsam meinen Hals hinab.<br \/>\nAls ich aufstehen will rei\u00dft es in mir. Ein nie erlebter Schmerz zwingt mich in die Knie, mein Atem stockt, die Schreie lassen nach.<br \/>\n&#8222;Wer schreit denn hier so? Bin ich das etwa?&#8220;<br \/>\nNur wenn ich mich nach vorne beuge, einen Arm in den Bauch stemme, ist es einigerma\u00dfen ertr\u00e4glich.<br \/>\nDas Atmen schmerzt.<br \/>\nIch h\u00f6re auf zu atmen, es tut so weh.<br \/>\nSchwindelig&#8230; hinsetzen&#8230; alles ok, mir geht es gut&#8230; ich muss mich nur kurz&#8230;<br \/>\nIch sitze im Graben.<br \/>\nFlach atmen, ganz flach.<br \/>\nDann tut es nicht so weh&#8230; warum sitze ich im Graben?<br \/>\nIngo hockt neben mir, besorgt mustert er mich, dreht vorsichtig meine Arme in seinen H\u00e4nden.<br \/>\nIch schaue ihm fasziniert dabei zu.<br \/>\nWas ist an meinen Armen denn auf einmal so interessant?<br \/>\nWarum haben wir \u00fcberhaupt schon wieder angehalten?<br \/>\nHaben wir nicht erst vor wenigen Kilometern eine Pause an einem Felsdach gemacht?<br \/>\nDoch haben wir!<br \/>\nEs gab Lyoner, Roi de Trefle und Br\u00f6tchen vom Aldi. Dazu Schorle und Obst.<br \/>\nWarum ist denn hier alles so nass?<br \/>\nMeine H\u00e4nde triefen ja schon.<br \/>\nRegen so kurz vor dem Ziel, das ist Pech!<\/p>\n<p>Paps unterh\u00e4lt sich mit zwei Beinen, die pl\u00f6tzlich angerannt kamen.<br \/>\nDa liegt mein Rad!<br \/>\nOh nein, die Kette ist abgesprungen, so kann ich ja gar nicht weiter fahren!<br \/>\nWir m\u00fcssen doch noch runter zum Auto fahren.<br \/>\nIch will zu meinem Rad, es aufheben.<br \/>\nKeine Kraft in den Beinen.<br \/>\nIngo dr\u00fcckt mich zur\u00fcck ins Gras.<br \/>\nWarum tut er sowas?<br \/>\nLuft, atmen&#8230; mein Bauch tut so weh, ich atme flach, dann tut es nicht so weh.<br \/>\nIst ein LKW \u00fcber mein Rad gefahren?<br \/>\nLangsam lehne ich mich in meinen Graben zur\u00fcck.<br \/>\nIngo hat recht, so ist es viel besser.<br \/>\nEs tut auch gar nicht mehr so weh.<br \/>\nNicht, wenn ich ganz flach atme.<br \/>\nMein Mund ist mit Alufolie gef\u00fcllt, jedenfalls schmeckt es nach Metall.<br \/>\nPaps und die Beine drehen sich kurz zu mir. Die Beine sprechen eine lustige Mischung aus Deutsch und Franz\u00f6sisch.<br \/>\nRuhig lasse ich meinen Blick von links nach rechts schweifen, kaue dabei Alufolie.<br \/>\nWann fahren wir denn weiter?<br \/>\nWorauf warten wir eigentlich?<br \/>\nIch atme flach, das tut n\u00e4mlich nicht so weh.<br \/>\nWarum tut mir alles weh?<br \/>\nIngo hat ja ganz blutige H\u00e4nde!<br \/>\nDie Beine mit dem lustigen Deutsch sind pl\u00f6tzlich weg, wo sind sie denn jetzt hin?<br \/>\nAh&#8230; mir wird so schlecht&#8230;flach atmen, was riecht denn hier so? \u00dcberall riecht es nach Alufolie, ich habe Alufolie im Mund.<br \/>\nIch spucke sie aus.<br \/>\nRote Alufolie.<br \/>\nMir ist so schlecht, nur kurz die Augen schlie\u00dfen, etwas schlafen.<br \/>\nKaum schlie\u00dfen sich die Lider, da dreht sich alles in mir und um mich herum. Ich stecke in einer \u00fcbergro\u00dfen W\u00e4scheschleuder, rotiere tausendfach um meinen eigenen K\u00f6rper, w\u00e4hrend die gesamte Welt um mich rotiert.<br \/>\nIch \u00f6ffne wieder meine Augen, die Drehung stoppt abrupt, mir ist pl\u00f6tzlich so schlecht geworden.<br \/>\nVor mir steht ein Auto.<br \/>\nEin Mercedes!<br \/>\nDie hintere rechte T\u00fcr ist ge\u00f6ffnet.<br \/>\nDie Beine und Vater legen mich auf die R\u00fcckbank, Ingo steigt nicht ein.<br \/>\nEr hat auch blutige H\u00e4nde, er w\u00fcrde alles dreckig machen.<br \/>\nNoch nie bin ich in einem Mercedes gefahren!<br \/>\nSchwarzes Leder.<br \/>\nBah, stinkt wie rotes Aluminium.<\/p>\n<p>Die Beine fahren Paps und mich ins Tal zu unserem Auto, Ingo folgt mit seinem Rad. Danach f\u00e4hrt Paps mit dem Mann, dem die Beine geh\u00f6ren, wieder hoch und holt die beiden anderen R\u00e4der.<br \/>\nIngo bleibt bei mir&#8230;<\/p>\n<p>Ich liege auf der R\u00fcckbank unseres Ford Escort, das Gesicht meines Bruders schwebt \u00fcber mir.<br \/>\nWo ist der Mercedes denn hin?<br \/>\nDrau\u00dfen an den Fenstern sehe ich Papas Bauch.<br \/>\nLustig sieht das aus, wie er sich an den scheiben platt dr\u00fcckt.<br \/>\nAls Paps die R\u00e4der auf dem Dach verstaut hat, fragt er mich noch, ob ich ins Krankenhaus will, oder ob es nicht so schlimm ist.<br \/>\nWieso fragt er mich das? Ingo hat doch blutige H\u00e4nde!<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht mehr was oder ob ich \u00fcberhaupt geantwortet habe, w\u00e4hrend der Fahrt werde ich bewusstlos.<\/p>\n<p>Ich sitze auf einem Stuhl.<br \/>\nDer Stuhl befindet sich auf einem Gang.<br \/>\nWo sich der Gang befindet wei\u00df ich nicht.<br \/>\nHier riecht es so komisch. Nicht nach Aluminium, eher nach&#8230;<br \/>\nIch wei\u00df es nicht.<br \/>\nVor mir kniet eine Frau in wei\u00dfen Sachen und schaut mit angespannten Gesicht auf einen komischen Pinsel, w\u00e4hrend sie meine Knie und Beine mit rotbrauner Farbe anmalert.<br \/>\nDas sieht ja lustig aus!<br \/>\nAls sie bemerkt, dass ich sie beobachte, l\u00e4chelt sie mich an, malert dann aber konzentriert weiter.<br \/>\nIch schaue ihr dabei zu, dann f\u00e4llt mir auf, dass meine Hosen und das Hemd dreckig und kaputt sind.<br \/>\nMami wird mich sicherlich schimpfen!<\/p>\n<p>Die Frau l\u00e4chelt mich wieder an, tupft jetzt vorsichtig \u00fcber meine H\u00e4nde. Wo sie mit ihrem seltsamen Pinsel meine Haut ber\u00fchrt, brennt es kurz auf.<br \/>\nWarum ist ihre Farbe denn so hei\u00df?<br \/>\nAber es tut nicht weh und es sieht lustig aus.<br \/>\nWie ein Indianer.<\/p>\n<p>Wie komme ich denn in dieses Gestell?<br \/>\nUnd wo ist der Stuhl und der Gang?<br \/>\nWas sind das f\u00fcr Ger\u00e4te und warum habe ich ein so gro\u00dfes Hemd am?<br \/>\nAlle verlassen den Raum, das Gestell rotiert laut um mich herum, bleibt dann stehen. Die Leute kommen wieder rein.<\/p>\n<p>&#8222;Welches ist denn deine Lieblingsfarbe?&#8220;<br \/>\nIch liege auf einem harten Bett mit Papierbezug.<br \/>\nNeben mir ein kleiner Fernseher und viele bunte Ketchupflaschen auf einem W\u00e4gelchen.<br \/>\nIch mustere sie der Reihe nach.<br \/>\nWas will der Mann von mir?<br \/>\n&#8222;Wie w\u00e4re es mit&#8230; gelb? Magst du gelb?&#8220;, fragt der Mann und greift bereits nach einer der Flaschen.<br \/>\nEtwas sehr kaltes, glibberiges habe ich jetzt auf dem Bauch.<br \/>\nIch neige den Kopf, um auf meinen Bauch blicken zu k\u00f6nnen. Er ist ja ganz gelb.<br \/>\nGanz leicht ber\u00fchrt mein Kinn den Hals und es beginnt wieder zu schmilzen.<br \/>\nIch lasse den Kopf auf das Papiertuch sinken und schaue auf den kleinen Fernseher.<br \/>\nSchwarzwei\u00dfes Rauschen&#8230;<br \/>\nDer Mann dr\u00fcckt mir ein Plastikst\u00fcck tief in den Bauch.<br \/>\nDas tut weh, eben tat es nicht weh!<br \/>\nWarum macht er das?<br \/>\nIch will nicht, dass es weh tut.<br \/>\nWo bin ich \u00fcberhaupt, ich will nach Hause!<br \/>\nAuf dem Fernseher wandern helle Schlieren und Schemen durch die Schw\u00e4rze.<br \/>\nDie Stirn des Mannes ist in tiefe Falten gelegt.<br \/>\n&#8222;Da ist eine Fl\u00fcssigkeit im Bauch, die da nicht hingeh\u00f6rt, aber keines der Organe scheint verletzt.&#8220;<br \/>\nWas bedeutet das!?<\/p>\n<p>Ingo und Paps stehen neben mir am Bett.<br \/>\nIngo h\u00e4lt mir ein selbst gebautes Lego-Technik-Auto entgegen.<br \/>\nSeine H\u00e4nde bluten ja gar nicht mehr.<br \/>\nIch will mich aufsetzen, darf aber nicht.<br \/>\nKann nicht.<br \/>\nEin gro\u00dfes Pflaster bedeckt meinen gesamten Bauch, ein Schlauch kommt aus meiner H\u00fcfte und verschwindet unter dem Bett, ein anderer Schlauch kommt von weit oben und endet in meiner Hand. Ich traue mich nicht sie zu bewegen.<br \/>\nSicher ist sicher.<br \/>\nAlles kribbelt, aber es tut nicht mehr weh&#8230;<\/p>\n<p>Erst viele Jahre sp\u00e4ter erfuhr ich:<br \/>\nAlle Verletzungen waren tats\u00e4chlich nur oberfl\u00e4chlich. Eine Nacht zur Beobachtung sollte ausreichend sein, denn auch der Bauch wies keinerlei blaue Flecken oder andere Merkmale einer inneren Verletzung auf &#8211; &#8218;Dank&#8216; des gerundeten Rennradlenkers, wie sich sp\u00e4ter herausstellen sollte.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen war die Bauchdecke steinhart, sicheres Zeichen einer inneren Verletzung, das Ultraschall brachte jedoch keine Klarheit.<br \/>\n&#8222;Da ist eine Fl\u00fcssigkeit im Bauch, die da nicht hingeh\u00f6rt, aber keines der Organe scheint verletzt.&#8220;, diesen Satz h\u00f6re ich heute noch. Die &#8218;kleine OP zur Abkl\u00e4rung&#8216; wandelte sich zu einer Not-OP in deren Verlauf meine gesamte Bauchh\u00f6hle ausger\u00e4umt und vom Blut gereingt wurde. Das verletzte Organ war die Milz, ganz versteckt im hintersten Eck gelegen. Sie konnte geklebt und erhalten werden.<\/p>\n<p>Was habe ich nach 25 Jahren davon behalten?<br \/>\n\u00c4u\u00dferlich eine relativ gro\u00dfe und relativ schlecht verheilte Narbe \u00fcber den gesamten Bauch, scherzhaft mein &#8222;Rei\u00dfverschluss&#8220; getauft.<br \/>\nMittlerweile ebenfalls ein Tattoo am rechten Oberarm, eine Dornenranke in Anlehnung an den Karfreitag &#8211; obwohl ich mich eher als nicht gl\u00e4ubig bezeichnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aber allem die abgedroschene Erkenntnis: <strong>Jeder Tag kann dein Letzter sein.<\/strong><\/p>\n<p>Euer Karsten<\/p>\n<p>PS: Und am 17.07.2015 erz\u00e4hle ich euch dann, wie das mit dem Rennrad, dem Bordstein, der Bushaltestelle und Telefonzelle in Neuss war&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorweg zur Info: Den folgenden Bericht habe ich vor einiger Zeit (2010) aus dem Ged\u00e4chnis verfasst. 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