{"id":920,"date":"2012-04-06T07:05:04","date_gmt":"2012-04-06T05:05:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=920"},"modified":"2014-04-22T07:07:54","modified_gmt":"2014-04-22T05:07:54","slug":"karfreitag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dummschwitzer.de\/blogsys2013\/?p=920","title":{"rendered":"Karfreitag"},"content":{"rendered":"<p><strong>Montag, 2. April 2012 bis Sonntag, 8. April 2012<\/strong><\/p>\n<p><code><strong>Projekt XX: StrongmanRun 2012<\/strong><\/code><\/p>\n<p><code>Tag: 181 - 187 \/ Trainingstag: 110 - 114<br \/>\nWetter: keine Angabe<\/code><\/p>\n<p><em>Anmerkung: Dieser Eintrag wurde am 29. Juni nachtr\u00e4glich verfasst<\/em><\/p>\n<p>Nach den erholsamen Tagen in Trier gibt es in den verbleibenden Wochen eigentlich nur noch eines zu tun: Tempo, Tempo, Tempo!<\/p>\n<p>Montags startete ich daher zu einem moderaten Tempolauf (9,66km &#8211; 43:55min), damit ich dienstags noch genug K\u00f6rner f\u00fcr die ersten, ernsthaften 400m-Intervalle in Petto hatte.<\/p>\n<p>Es gelten die altbekannten Regeln:<br \/>\nZuerst einige Kilometer ganz gem\u00fctlich warmlaufen, danach wirds schmerzhaft.<br \/>\nJe 5mal 400m Vollgas gefolgt von 400m Pause im lockeren Trab.<br \/>\nDabei sollten alle schnellen 400m Zeiten m\u00f6glichst dicht beieinander liegen.<br \/>\nLaufen wollte ich diese Einheit nicht wie gewohnt auf der 400m Bahnanlage, sondern in den windigen Rheinauen.<br \/>\nNach Monaten voller Kraft- und Ausdauertraining tat diese Schnellkraft-Einheit besonders weh.<br \/>\nDennoch konnte ich am Ende sogar noch einen 6. Durchgang anh\u00e4ngen.<!--more--><br \/>\nDie Zeiten waren zwar nicht so hammerhart, aber trotzdem noch eine gute Ausgangsbasis, um in der Saison 2012 wieder vorne mitmischen zu k\u00f6nnen:<\/p>\n<p><code><br \/>\n1) 78,34 sek<br \/>\n2) 78,32 sek<br \/>\n3) 80,72 sek<br \/>\n4) 76,88 sek<br \/>\n5) 77,51 sek<br \/>\n6) 75,84 sek<br \/>\n<\/code><\/p>\n<p>Mittwoch ging es zum Rumpftraining wieder ins Studio, die Beine hatten also einen Ruhetag und Donnerstag legte ich einen kompletten Ruhetag ein.<\/p>\n<p>Dann kam der Freitag.<br \/>\nKarfreitag.<br \/>\nEiner meiner &#8222;Geburtstage&#8220;<br \/>\nKarfreitag vor 23 Jahren (ganz genau am 24.03.1989) schrammte ich nach einem heftigen Rennradunfall zum ersten Mal nur knapp am Tod vorbei.<br \/>\n&#8230; Tod&#8230;<br \/>\nIm Alltag verdr\u00e4ngen wir ihn, die Meisten von uns begegnen ihm auch (zum Gl\u00fcck?) nur sehr, sehr selten.<br \/>\nLeider (oder zum Gl\u00fcck?) habe ich einige solcher pr\u00e4gnanter Daten; Tage an denen es mich &#8222;fast erwischt&#8220; h\u00e4tte.<br \/>\nTage, die mich zum Nachdenken anhalten.<br \/>\nIch bin mir meiner Sterblichkeit sehr wohl bewusst.<br \/>\nJemand, der nur mit einem Helm und einer 1mm Stoffschicht als Schutz auf einem Rennrad mit 50 km\/h und mehr zwischen LKWs auf Landstra\u00dfen umher saust, sollte sich dessen wahrscheinlich auch sehr wohl bewusst sein.<br \/>\nUnd dennoch erwischen mich diese Tage dann doch wieder eiskalt.<\/p>\n<p>In mir arbeitete es, wie einst im September \/ Oktober 2010, als mir gleich zwei geliebte Menschen genommen wurden&#8230;<\/p>\n<p>Erna, die beste Gro\u00dfmutter, die sich ein Enkel vorstellen konnte und Yasmin&#8230; meine geliebte Yasmin&#8230;<\/p>\n<p>Heute w\u00fcrde ich laufen.<br \/>\nLaufen wollen.<br \/>\nLaufen <em>m\u00fcssen<\/em>.<br \/>\nDas Wetter war herrlich, sonnig, fr\u00fchlingshaft.<br \/>\nGanz in schwarz lief ich los.<br \/>\nKeine Ahnung wohin, egal wie lange.<br \/>\nEntlang des Rheines ging es erstmal gen S\u00fcden, Richtung Monheim, dann \u00fcber einen Schlenker zur\u00fcck zur Wupper und in die Rheindorfer Felder hinein, an den Bahngleisen entlang dem Reuschenberg entgegen. An der n\u00e4chsten Gabelung w\u00fcrde ich mich entscheiden m\u00fcssen:<br \/>\nRechts zum M\u00fchlbachdamm?<br \/>\nOder Links in den Wald&#8230; zum Friedhof?<br \/>\nInmitten dieser lebendigen Natur kam ich mir mit meinen Gedanken und Erinnerungen beinahe wie ein Fremdk\u00f6rper vor, die Wege um den Friedhof herum w\u00fcrden von Spazierg\u00e4ngern gespickt sein; Ich bog rechts ab, entlang des M\u00fchlbachdammes.<br \/>\nAn dessen Ende bog ich abermals rechts ab, wieder den Rheindorfer Feldern entgegen, abermals entlang der Gleise, abermals bis an jene Kreuzung.<br \/>\nDiesmal traute ich mich nach Links.<br \/>\nTauchte ein in den erbl\u00fchenden Wald, versank in gr\u00fcnem Leben.<br \/>\nEine Runde sind ziemlich genau 2,5km&#8230; wieviele Runden ich lief z\u00e4hlte ich nicht, ich war voll im Hier, Ganz im Jetzt &#8211; und doch in einer ganz anderen Welt.<br \/>\nNennt es Sauerstoffmangel, Einbildung oder was-wei\u00df-ich, aber ich war in diese, Moment nicht mehr alleine unterwegs. Etwas&#8230; jemand&#8230; trieb mich voran, gab mir Kraft.<br \/>\nSp\u00e4ter am PC stellte ich fest, dass es 5 Runden waren. 12,5 h\u00fcgelige Kilometer.<\/p>\n<p>Irgendwann bemerkte ich dann aber leider doch ein latentes Durstgef\u00fchl: Heute hatte ich bis auf einen Fr\u00fchst\u00fcckstee noch nichts gegessen, oder getrunken.<br \/>\nSo langsam musste ich wohl oder \u00fcbel doch an den Heimweg denken. Also wieder Richtung M\u00fchlbachdamm?<br \/>\nNein.<br \/>\nZum nunmehr dritten Mal bog ich in die Felderlandschaft ein, diesmal in umgekehrter Richtung, also erst an den Gleisen entlang. Eine Familie beendete gerade eine Pause und setzte sich auf ihre R\u00e4der, 2 Erwachsene, 3 Kinder.<br \/>\nDie Kleinen hatten ihren Spa\u00df daran mein Tempo zu halten, versuchten mich zu \u00fcberholen und vor mir zu bleiben.<br \/>\nDie Eltern fuhren hinter uns her, ihre Spr\u00f6\u00dflinge stehts ermahnend und sich mehrmals bei mir entschuldigend, was ich aber jedes Mal mit einem L\u00e4cheln abtat und mich wieder vor die Kleinen setzte, mich zur\u00fcck fallen lies und wieder von vorne.<br \/>\nSo ging es tats\u00e4chlich die ganze Strecke bis zur Pontonbr\u00fccke, wo die Familie links abbog, ich jedoch nochmal die kleine Schleife gen Hitdorf einschlug und danach ebenfalls das letzte St\u00fcckchen Weg nach Wiesdorf unter die F\u00fc\u00dfe nahm.<br \/>\nHeute h\u00e4tte ich endlos laufen k\u00f6nnen, aber nun wurden auch die Beine merklich schwerer.<br \/>\nMeine Energiespeicher waren wahrscheinlich schon seit langem leer, trotzdem lief ich locker weiter.<br \/>\nAn der Minigolfanlage dann machte ich Rast.<br \/>\nEin Fehler.<br \/>\nKaum sa\u00df ich auf den warmen Steinen, klebte meine Zunge am Gaumen fest, wurden meine Waden bretthart und steif, schmerzte mein R\u00fccken wie von Sinnen.<br \/>\nEin Blick auf die GPS-Uhr lie\u00df mich erschaudern.<\/p>\n<p>Ich kramte meine Kamera heraus und machte ein paar Aufnahmen von mir und den Daten der Uhr.<br \/>\nDanach raffte ich mich auf und joggte mit betonharten Beinen mehr recht als schlecht die letzten 1000m bis nach Hause.<\/p>\n<p>Dieser Lauf, dieser Tag, wird mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben.<\/p>\n<p><code>Tagesbilanz: 34,67km - 2:45:39h - 4:46min\/km<\/code><\/p>\n<p><code>Begegnungen: Mir selbst<\/code><\/p>\n<p><code><br \/>\nWochenbilanz<br \/>\nTrainingswoche: 26<\/p>\n<p>Laufeinheiten: 3<br \/>\nDistanz: 53,76km<br \/>\nZeit: 5:12h<br \/>\nPace: 4:41min\/km<\/p>\n<p>Gewicht: 80,4kg<br \/>\nWeitere Trainingseinheiten: 3<br \/>\n1 Schwimmen (2500m - 50min)<br \/>\n2 Krafttraining<br \/>\n<\/code><\/p>\n<p><code>Erkenntnis:<\/code><\/p>\n<p><strong>Schwer zu beschreiben<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 2. 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