6. November 2011
Die erste große Materialprobe
Letztes Jahr feierte ich in Konz bei meinem dritten Rennen die erste Top-3-AK-Platzierung meines erst kurzen Läuferlebens (48:08min / Platz 2, M30).
Gut, die Tatsache dass zum 35. Jubiläum dieser Laufveranstaltung auch ein 15km-Kurs ausgeschrieben wurde, dürfte da ordenlich nachgeholfen haben. Denn alle lokalen Laufcracks, Marathonis und überhaupt jeder, für den 10km keine echte Distanz sind, meldeten auf ebendiesen 15er.
Mein Glück.
Dieses Jahr würde der Lauf in Konz für mich ebenfalls wieder etwas besonderes werden.
Untergrundbeschaffenheiten, Profil, Umgebungstemperatur. All diese Eigenschaften eignen sich hervorragend für einen ersten, umfangreduzierten Testlauf mit vollem Equipment.
So machte ich mich denn auch um 5:30 Uhr auf den Weg gen Trier, wo ich Abby und Matthias aufgabelte.
Mittlerweile ein wenig unter Zeitdruck trudelten wir knapp 30 Minuten vor dem Startschuss am Veranstaltungsort ein.
Das Wetter war herrlich, meine Trainingsform bereits ganz gut, die Unterlagen vorab bezahlt.
Wenn nichts mehr schief geht, rechnete ich mit einer Zielzeit um die 41 Minuten.
Aber was kann denn jetzt noch schief gehen?
Kurz: So einiges!
Ich öffnete meine vorgepackte Sporttasche.
Die ist in drei Kategorien unterteilt: Vorher, Während, Nachher.
„Vorher“ umfasst Taschentücher, Wasser- und Saftflaschen, Red Bull, Energie- und Eiweiß-Riegel, Aspirin, Nasenspray… eben alles was ich bei meinem eingespielten „Pre-Run-Ritual“ eben so benötige.
„Während“ sind im Grunde die Laufschuhe (diesmal drei verschiedene Paar), verschiedene Trikots für alle Temperaturen, Lange Hose, kurze Hose, Sprinter-Shorts, Uhr, Sonnebrille, Kopftücher, Schweißband.
„Nachher“ sind die Duschutensilien und die Wechsel-Klamotten für die Siegerehrung. Man hat ja schließlich Selbstvertrauen!
20 Minuten bis zum Start.
Ich kramte also alle Sachen aus der Kategorie „Vorher“ aus der Tasche und verteilte sie großzügig im Kofferraum. Während ich noch zu Abby sagte, dass es warm genug für das Sommer-Trikot war, heftete ich mir wie selbstverständlich die Startnummer an das Langärmel-Trikot.
10 Minuten bis zum Start.
Die kleine Panne mit dem Trikot ist behoben, hat mich aber wertvolle Zeit gekostet, die ich nun nicht mehr ins Warmlaufen investieren kann.
Gut, sei’s drum.
Schuhe!
Cross, Training, oder Wettkampf?
Cross.
Das sind zwar die mit Abstand steifsten und auch schwersten Schuhe in meinem Repertoire, aber sie sollen ja später auch im Ernstfall zum Einsatz kommen.
Test tut daher Not.
Ich brauche noch einen Energie-Riegel.
Vergiss es, den hätte ich vor 20, 30 Minuten essen müssen, damit er noch Wirkung zeigen kann.
Eiweiß-Riegel fällt ebenfalls flach.
Red Bull. Das Zeug flasht noch rechtzeitig!
Ok, trinke ich gleich.
Jetzt aber erstmal die „Zusatzausrüstung“ klar machen und anlegen.
Gesagt, getan. Läuft alles glatt.
5 Minuten bis zum Start.
Red Bull und Nasenspray fehlen noch. Darf ich nicht vergessen!
Ich muss mal ganz dringend meine Blase entleeren…
So lege ich mein Kopftuch um, knalle den Kofferraum zu und drücke Abby den Schlüssel in die Hand.
2 Minuten bis zum Start.
Kasi läuft sich warm.
Haha, guter Witz.
In den paar Sekunden „warmtraben“ binde ich mir nochmal die Schuhe neu und lege das Kopftuch ab. Viel zu warm!
Im Startbereich drücke ich Abby mein Kopftuch in die Hand und trolle mich soweit ich kann nach vorne.
Der Startschuss fällt, das Rennen beginnt.
Um es kurz zu machen:
Die Schuhe waren für die heutigen Bedingungen absolut „overpowered“, lediglich an ein oder zwei matschigen Passagen brachten sie mir vielleicht einen Vorteil gegenüber meinen Mitstartern.
Ansonsten behinderten sie mich mehr durch ihre versteifte Sohle und das ungewohnt hohe Gewicht.
Mein Zusatzequipment behinderte mich nahezu überhaupt nicht, das hatte ich aber bereits vor Monaten, bevor es überhaupt zum Projekt XX kam, ausgiebig getestet.
Bei Kilometer 2 bemerkte ich, dass ich das Nasenspray vergessen hatte. Meine Nasenschleimhäute schwollen durch meine chronische Erkältung dermaßen an, dass ich kaum noch atmen konnte.
Im normalen Training nehme ich das mangels Alternative hin, aber im Wettkampf beruhige ich die Biester eben mit Spray.
Ach und das Red Bull hatte ich ebenfalls vergessen.
Trotzdem hielt ich mich recht tapfer irgendwo unter den ersten vier.
Bei Kilometer 7, ich hatte meinen direkten Konkurrenten gerade an einem Bergaufstück ziehen lassen müssen, schlugen mit einem „Plöpp“ beide Nasenflügel, bzw die Schleimhäute dahinter, zu.
Jetzt konnte ich nur noch durch den Mund atmen, die Luft war also weder vorgewärmt, noch angefeuchtet.
Zum Glück kannte ich die Strecke ja schon: Nur noch dieses eine Bergaufstück, dann lang und steil bergab und dann geradewegs ins Ziel.
Kinderspiel!

Mit rasselnden Lungen und pfeifendem Atem quälte ich mich förmlich nach 42:28min über die Zielline.
Nach kurzer Verschnaufpause, in der ich Abby und Matthias wortkark, aber gestenreich Bericht erstatte, machten wir uns auf den Weg zum Auto, wo das erlösende Nasenspray binnen Sekunden die Atemwege wieder freigab.
Nach der Dusche begaben wir uns ins Vereinsheim wo ich mich erstmal mit Nudelsalat und alkoholfreiem Weizen stärkte.


Es folgte eine sehr ausführliche Siegerehrung, bei der ich trotz aller Wiedrigkeiten den ersten Platz der Klasse M30, sowie den 5. Gesamtplatz belegte.
Auch dieses Jahr waren die Cracks wieder beim 15er an den Start gegangen.
Bleibt mir nur noch meinen beiden treuen Fans für diesen tollen, gemeinsamen Tag zu danken!
Das Rennen im Überblick:

KM - Pace - Höhendifferenz (in Relation zur vorherigen KM-Marke)
01 - 3:52 - +46m
02 - 3:59 - -15m
03 - 3:43 - +43m
04 - 4:51 - +36m
05 - 4:58 - -27m
06 - 3:38 - -30m
07 - 4:43 - +19m
08 - 4:07 - +10m
09 - 3:36 - -64m
10 - 3:52 - -10m
REST 1:09 - -12m (Differenz des Garmin zur offiziellen Vermessung: 320m)
Nächste Woche steht mit dem ersten Lauf der leverkusener Winterserie bereits der nächste Wettkampf vor der Türe.
Wenn die Wetterbedingungen derart gut bleiben, wird das mit Sicherheit eine ganz flotte Kiste.
Wir werden ja sehen,
Euer Karsten


